Reiseberichte

 

Momentan könnt ihr die Reiseberichte von Ansgar und Nikitas lesen. In Zukunft werden noch weitere Reisende folgen, die ihre Geschichte mit euch teilen möchten!


Ansgar

Nikitas



Logbuch IX

Der Norden ruft

Vom Baro Markt geht es mit den Norwegern noch ein Stück weiter. Sie fahren mich auf ihrem Weg nach Faro netterweise noch nach Lagos, wo ich mich von ihnen verabschiede, für die schöne Zeit bedanke und verspreche die beiden eines Tages in Norwegen zu besuchen.

In Lagos kenne ich mich schon ein wenig aus. Ich schwinge mich auf den Roller und begebe mich zum Busbahnhof. Kurze Zeit später kommt dort Zaque an, aus Lissabon! Wir hatten kurzfristig ausgemacht uns hier zu treffen. Unsere Idee ist es, noch ein bisschen durch die Algarve zu tingeln, ein paar Tage die Küste genießen, wir steuern zum Beispiel den wunderschönen Strand "Barranco" anZaque ist erstmalig hier!

Länger schon treibt mich der Gedanke um, meiner Familie und Freunden Zuhause wieder begegnen zu wollen. So treffe ich die Entscheidung zur richtigen Zeit „heimzukehren“. Dies ist zunächst ein großer Begriff, bin ich doch nun so richtig ans Reisen gewöhnt, doch auf der anderen Seite bin ich langsam auch etwas überwältigt von all diesen tollen Erlebnissen. Das ist auch kein Problem – einfach natürlich, dass die Offenheit die am Anfang meiner Reise von mir ausging und das Fernweh, nun vorerst gestillt sind und es mir gut tun wird, meine Batterien wieder aufzuladen, Menschen und Dinge sehen die mir vertraut sind! Aber ich möchte auch nichts überstürzen und schon gar nicht nach Deutschland fliegen. Also passt es ausgezeichnet, dass Zaque ähnlich geht, und wir haben Lust entspannt bis Frankreich zusammen zu Reisen.

Für die erste Nacht wählen wir den Strand in Lagos hinter ein paar Ruinen zu unserem Schlafplatz. Als es in der Nacht zu regnen anfängt schlupfen wir unter ein aufgestelztes Strandhaus. Diese Nacht stellt sich nicht als die ruhigste heraus und erst am nächsten Morgen werden uns die Ausmaße der Mückenplage klar. Das Gesicht meines Reisegefährten ist stark angeschwollen, seine Augenlider drücken schwer. Mein Körper reagierte nicht auf diese Weise auf die Stiche. Wir besorgen Antihistamin in der Apotheke und machen uns am Nachmittag dann auf den Weg.

Am Abend entdecken wir eine Hochhaus-Bauruine. Ein Blick genügt, wir steigen ein! Dieser Schlafplatz war also mal etwas spektakulärer als üblich. Die Aussicht von unserem luftigen Fleckchen war auch nicht von der Hand zu weisen, besonders das Küsten-Panorama auf der einen Seite. Was für ein schöner Start dieser neuen Etappe!

Das Trampen ist oft eine ganz schöne Herausforderung. Wir versuchen die Vorbeifahrenden mit unserer guten Laune zu animieren und daraufhin ein Lächeln zu erreichen oder oft auch eine entschuldigende Geste ist schon goldwert. Pure Ablehnung zehrt nämlich auf Dauer an unserer Moral. Wir sind zwar eine ganz schöne Zumutung mit großen Rucksäcken, meinem Roller, der sich zusammen klappen lässt, und der Gitarre von Zaque, doch haben wir all das auch schon in wirklich kleine Autos gequetscht. Also versichern wir allen, die daran Zweifeln, dass es passt!

Nach mehreren Tagen purer Entspannung am Strand, hatten wir uns jetzt richtig auf den Weg gemacht.

Erst geht es langsam voran, wir haben lustige Mitfahrgelegenheiten wie zum Beispiel eine Metal-hörende Mama, die bis ihr Mann mit seiner Arbeit fertig sein würde, im Auto umherfuhr und uns so ein gutes Stück weiter bringen konnte. Dann aber wiederum kommen wir auch sehr schnell voran, als uns ein niederländischer Developer in seinem Jaguar aufpickt und wir mit 220km/h über die Autobahn wie auf einer Rennstrecke rasen, (Er machte beim fahren tatsächlich von allen drei Spuren Gebrauch). Er war natürlich beruflich hier in Portugal und für ein Meeting in der Algarve gewesen. Er bringt uns weiter als Lissabon, wir wollen dort keinen Stop einlegen. Da er nördlich von Lissabon wohnt, haben wir die Chance noch ein Stück weiter zu fahren.

 

Wir bemühen uns, zügig nach Porto zu gelangen. Dazu verhilft einer der einzigen Portugiesen der für uns anhält! Er fährt uns bis ins absolute Zentrum, was für ein Service, obwohl er im Nachbarort lebt, an dem wir sogar vorbeifahren! Für Porto habe ich eine Idee. Noch weiß ich nicht ob es klappt, aber von Annika weiß ich, dass es in Porto eine Republika gibt. Das sind im allgemeinen Häuser von Studentenbewegungen in denen viele junge Leute leben. Auch kommen in diesen Häusern oft Erasmus Studenten unter, und was meiner anfänglichen Skepsis den Garaus machte, sie sind nicht so erzkonservativ wie manch andere Verbindung. Das galt allerdings den Republikas im Allgemeinen und nicht bezüglich einer möglichen Übernachtung dort. In Porto gibt es davon lange nicht so viele wie in Coimbra, wo Annika und Igor gelebt hatten, doch die eine, die uns nun bekannt ist, suchen wir auf. Zwei Couchsurfer geben uns, auf ihrem Weg nach draußen, die Tür in die Hand. Sollen wir einfach reingehen? Unser Klopfen zuvor war nicht gehört worden, also treten wir ein. Im Wohnzimmer treffen wir die ersten Studenten. Es ist Sonntag, ausruhen ist angesagt und die Anwesenden sagen hier zu übernachten sei kein Problem. Wir sehen uns gemeinsam amerikanische Klassiker per Netflix an. Das war einfach, zumindest bis jetzt. In Städten spontan Unterschlupf zu finden ist immer so eine Sache. Beim Trampen vermeide ich es oft.

 

Am Abend fragen uns dann allerdings doch noch ein paar Leute wie wir zu ihnen kommen, sehr verständlich, dafür dass sie ihr Haus so vielen öffnen! Insgesamt bleiben wir zwei Nächte. Tagsüber schauen wir uns ein wenig die Stadt an, welche wirklich sehr schön ist, und machen noch ein paar Besorgungen, bevor es dann weiter geht.

Wir machen den Fehler aufs Landesinnere zuzuhalten. Auf der Karte scheint das doch der kürzeste Weg. Zusätzlich zur nördlichen Richtung kommt nun östlich dazu, schließlich müssen wir ja bald Spanien schneiden um endlich nach Frankreich zu gelangen, wo sich unsere Wege trennen würden.

Wir werden stark enttäuscht. Natürlich ist uns klar, dass wir nicht kontrollieren können wie unsere Route verläuft und wollen dies auch nicht, schon oft haben wir unser Etappenziel angepasst.

Wir landen in den entlegensten Dörfern. Hin und wieder gelingt es uns einen LKW-Fahrer zu überzeugen uns mitzunehmen, des öfteren jedoch ist ihnen das Risiko zu groß, da sie geschäftlich unterwegs sind. Fast unmerklich gelangen wir so auch über die Grenze nach Spanien. Nordspanien ist anders als der uns vertrautere Süden, doch wir freuen uns wirklich einige Sachen wieder zu sehen, beziehungsweise auch zu verstehen. Dazu gehören auch die bekannten Supermärkte. 

Aber wir sind noch immer im ruhigeren Inland, wie zuletzt in Portugal. Mit den wenigen Touristen hier entlang fahren haben wir kein Glück, meist sind sie auch vollgepackt bis unters Dach. Wo sind die lustigen Vans mit jungen Abenteurern, die wir speziell von den Küsten gewohnt sind? Wir haben noch Hoffnung eines Tages bis Frankreich mitgenommen zu werden. Ich frage hier und da auch schon, "bis nach Deutschland?" 

Unwiderlegbar bewusst wird uns unsere verzweifelte Lage, als wir nach einem langen Wochenende, vier Tagen des Wartens  einen Schlussstrich ziehen. Von einem überaus netten Spanier waren wir an einem großen Rastplatz abgesetzt worden, der vielversprechend mit Internationalen Trucks gefüllt war. Wir hatten in der Zeit als wir uns dort eingerichtet hatten mit fast jedem der Trucker gesprochen. Kein Glück. Mehr als die Hälfte fuhr zurück nach Portugal, das P am Nummernschild beachteten wir also schon gar nicht mehr. Ein weiterer Teil hatte ein Problem damit das wir zu zweit waren oder generell keine Lust. Das ist auch verständlich, bis Frankreich wäre es noch eine eintägige Fahrt, aber uns war das alles egal, wir wollten einfach weg hier, weiter! Die Türken waren auf dem Parkplatz in meier Wahrnehmung am freundlichsten und sehr aufgeschlossen. Sie berieten mit ihren Kollegen, als sie uns niedergeschlagen Tag für Tag mit unseren Schildern auf und ab laufen sahen. Sie luden sogar zum Essen ein, mit einem Glas Raki und gegenseitigen Sprach-Versuchen war das ein schöner Kulturaustausch!

Eines Morgens hatten wir um 5uhr eine versprochene Mitfahrt, als wir jedoch feststellten, dass besagter Fahrer schon über alle Berge war, war wieder alle Hoffnung geschwunden. Zwischendurch waren wir auf ein gigantisch großes Fest (ival) eingeladen worden, welches uns ein wenig abgelenkt hatte, aber am nächsten morgen gab es noch immer das selbe Problem. An diesem Punkt konnten wir keine rationalen Entscheidungen mehr treffen und gingen uns auch gegenseitig auf die Nerven. Wir brauchten also etwas, worauf Verlass war.

Wir buchen eine Verbindung nach San Sebastian, ganz im Norden Spaniens und unweit der französischen Grenze. Endlich geht es weiter, und weg aus Valladolid!

Während eines Zwischenhalts in Vitoria Gasteiz erleben wir wunderschöne Pfaue in einem botanischen Garten. Als wir in San Sebastian/Donosti im Baskenland ankommen, regnet es in Strömen. Wir steuern auf eine Bibliothek zu und als wir an der Strand Promenade vorbeikommen, kommt die Sonne hervor. Nun brauchen wir uns vorerst zumindest doch nicht unterstellen. Beim Anblick des Strandes, erinnere ich mich nur zu gut an den Morgen, vor einigen Jahren, mit meiner Familie, den wir hier versucht hatten auszuschlafen. Dieser Strand wirkt nach unseren Kriterien jetzt schutzlos und kommt leider nicht zum übernachten in Frage. Noch am selben Abend buchen wir uns beide Fernbustickets ins Heimatland und schlafen ein letztes mal auf dieser Reise im Park. Wir sind uns sicher uns wieder zu begegnen. Über Fügung hatten wir auf der Reise einiges gelernt.

Ich war gespannt auf Zuhause, meine Familie. Ich hatte keinem etwas gesagt und würde einfach so wieder auftauchen, das passte zu meiner Reise. Aber zuvor hatte ich noch einen 10-stündigen Aufenthalt in Paris, welches ich mitten in der Nacht mithilfe meines Rollers recht ausgiebig erkundete und besuchte in Dortmund noch meine Cousine, bevor es endlich zurück nach Quedlinburg ging!

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Logbuch VIII

Portugal! - Rainbow und Festival

Nach einer schönen und intensiven Zeit an Maros Strand „La Caletta“ in kleinerer Runde dieses Mal, geht die Reise weiter.

Es hatte sich bereits eine Routine entwickelt, wie zum Beispiel Sonntags auf dem Flohmarkt zu sein dort auch viele Bekannte zu treffen, einzukaufen und am Ende von vielen nicht verkauften Dingen zu profitieren, oder von Zeit zu Zeit die vielen Stufen und später die steinigen Kurven zu erklimmen um erneut unsere Trinkwasservorräte zu füllen oder Lebensmittel zu besorgen. Für alles hatten wir einen Ablauf entwickelt. Im Kern waren wir eine super Truppe und lernten zusammen viel durch das alternative Leben am Strand!


Wir verabschieden uns von Zaque, der in Kürze in Frankreich einen Job hat, und steigen zu viert in den Transporter. Marie, Agy, Philipp und ich haben uns bei Patrick eine Mitfahrgelegeinheit „erkauft“. Patrick und seine Freundin sind aus ihrem deutschen Bankrott geflohen, der große Transporter ist voll mit ihrem Haushalt. Sie möchten langfristig in Spanien oder Portugal Land erwerben und Fuß fassen und nutzen so diese Möglichkeit, sich umzusehen.

Mitten in der Nacht, nach gut 600 Kilometern Fahrt, kommen wir in Beira, Portugal an. Der kleine Ort liegt unmittelbar an der spanischen Grenze. Die Landschaft ist zauberhaft! Kleine und große, runde Felsen, umgeben von knorrigen Bäumen, ragen aus der Ebene, durch die sich kleine Pfade schlängeln.

Hier werde ich nun für einige Zeit mit den Brüdern und Schwestern vom Rainbow Gathering leben, in Harmonie und Respekt gegenseitig, und auch der Natur gegenüber, von der wir letztendlich leben. Es wird zusammen gekocht, gesungen, getanzt, Musik gemacht! Ein Farmer stellt uns sein Land für diese Zeit zur Verfügung. Und sogar eine Trinkwasserquelle wird uns zugänglich gemacht. In dem Bach, der Portugal von Spanien trennt, kann gewaschen und gebadet werden. Ein Rainbow ist gewöhnlich im Zeitraum einer Mondphase, angefangen mit einem Neumond. Um die Zeit des Vollmonds herum finden sich besonders viele Menschen ein, die Zelte um die Olivenbäume herum werden mehr und auch die Autos, die weiter entfernt parken.

Auf dem Gathering treffe ich viele liebe Menschen, relativ unerwartet auch einige Bekannte! So sehe ich einerseits Freunde aus Spanien aber ich treffe auch eine Freundin aus Deutschland wieder, die ich seit vier Jahren nicht gesehen habe! Außerdem erlebe ich eine schöne Begegnung mit Cale, ebenfalls aus Deutschland, der auch einen Blog führt: Inspiritana https://inspiritana.org Seine Berichte verfolge ich schon seit einiger Zeit und so ist es wirklich bereichernd ihn hier in Portugal anzutreffen, zumal wir schon zuvor in Kontakt standen um möglicherweise ein Treffen zu organisieren. Er schrieb vor einem Jahr ein wenig über die Begebenheiten eines Rainbow Gatherings, welche ich auch hier verlinken werde, da es ihm ganz gut gelungen ist, es in Worte zu fassen. Auch Fotos wurden auf Cales Blog bereits veröffentlich, welche eine Seltenheit darstellen, da es auf den Treffen meist unerwünscht ist. Aber seht selbst!

 


Viele der Menschen vor Ort entscheiden sich, übers Wochenende, zum Freekuency Festival, einige Kilometer weiter, zu fahren. Ich schließe mich einer Karawane an, da ich ebenfalls interessiert bin. Es ist ein immenser Kontrast, den das einfache Leben in der Natur zu dem in der Urbanisation darstellt (viele Autos, Reklamen, Überangebot im Supermarkt). Diesen Dingen war ich zwei Wochen lang nicht ausgesetzt, und wieder einmal finde ich es sehr interessant, es aus einer so anderen Perspektive wahrnehmen zu können. Angekommen auf dem Festival, bereitet mir das laute Bass-Gewummer schon Kopfschmerzen. Als auch der Kulturschock überwunden ist, finde ich Gefallen an der Massenveranstaltung. Besonders freue ich mich, auch hier, viele Freunde und bekannte Gesichter wieder zu sehen! Das war wirklich unerwartet schön.


Wie immer lerne ich neue Leute kennen und als das Festival langsam ausläuft, schließe ich mich Annika und ihrem Freund Igor an, mit dabei ist auch noch Annikas Freundin Ines. Igor ist Portugiese und die Frauen sind Deutsch. „Freddy“ der VW-Bus bringt uns geruhsam Richtung Algarve, im Süden Portugals. Noch ist das Wetter sehr wechselhaft und es regnet viel. In Lagos treffen wir auf Freunde der Mädels von denen wir unter anderem erfahren, dass es in Portugal seit gut vierzig Jahren nicht in diesen Mengen geregnet hat! Ein wenig kräftezehrend ist der Regen zwar, auch mit zusätzlich starkem Wind, doch ernsthaft problematisch wird es nicht. Mein Zelt nahm jedoch etwas Schaden, da es bereits über einige Zeit hinweg sehr strapaziert war. Glücklicherweise habe ich nun jedoch die Möglichkeit einige Tage mit im Van zu übernachten. Ines reiste wieder nach Deutschland um ihrem Studium nachzugehen. Gut eine Woche bin ich noch mit den beiden unterwegs und genieße ihre Gesellschaft sehr. Gemeinsam fahren wir zu wunderbaren Stränden und zum Start des Wochenendes finden wir uns auf der sogenannten Pizza-Party ein. Diese ist hier unter den Alternativen und Reisenden gut bekannt und bringt hunderte Menschen zum feiern und „all you can eat“ (so viel du willst) Pizza essen zusammen. Das Gelände ist interessant und zerklüftet und hält drei Bühnen mit Tanzflächen bereit. Die Musik ähnelt der des Festivals und auch hier werden die DJ's bis die Sonne wieder scheint nicht müde. Wir fahren weiter, nach Faro. Faro wirkt auf mich erstmal nach einer recht schönen Stadt, doch um mir ein genaueres Bild zu verschaffen benötige ich mehr Zeit.


Ich verabschiede mich von Annika und Igor und reise von hier aus mit Thomas und Howard aus Norwegen weiter, die wir auf dem Parkplatz kennen lernten. Am Abend stößt noch Tilo aus Österreich dazu. Die beiden haben sich vor einiger Zeit ihren geräumigen Van selber ausgebaut, mit Küche, Kühlschrank und Solarversorgung, und erkunden darin Europa. In Portugal sind sie erst seit wenigen Tagen und möchten von Tilo und mir einige Orte gezeigt bekommen. Auch Igor schrieb ihnen eine Liste mit sehenswerten Orten. So kommt sicher eine schöne Zeit auf uns zu, in der neuen Gruppe!

Zusammen fahren wir zu unglaublich schönen Orten in der Algarve, welche insgesamt nicht sehr weitläufig ist, und treffen so auch immer wieder auf schon bekannte Menschen. Ein großes Highlight ist zum Beispiel der "Hippi-Markt" in Barão de São João. Einige Strände die wir kennen lernen sind regelrechte Hotspots für Reisende, auch besonders für solche die in ihren Fahrzeugen leben. Und natürlich gibt es viele Surfer hier unten. Ich bedenke im Sommer werden sich allerdings erheblich mehr Leute hier aufhalten, die Saison läuft gerade erst an.

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Logbuch VII

Strand-Stimmung

Nun ist doch einige Zeit vergangen, in der ich nicht berichtet habe. In dieser Zeit habe ich mehr denn je in der Natur gelebt und konnte wieder frische Energie tanken. Ich habe neue Orte und Menschen kennen gelernt und wieder richtig Lust bekommen weiter zu ziehen!

 

Aber nun etwas ausführlicher.

 

Noch bin ich im Valley, in Granada. Einige Leute schließen sich der Community an, wiederum andere verlassen uns und ziehen weiter. Ich realisiere, dass für mich ein Alltag eingekehrt ist. Auf der einen Seite liegt es natürlich auf der Hand, dass ein routiniertes Handeln einiges erleichtert und im Allgemeinen Komplexität reduziert, doch auf der anderen Seite ist es auch nicht mehr so spannend wie es einst war. Nicht zuletzt war dies einer der Gründe weshalb ich Zuhause in Deutschland aufbrach.

 

Eines Nachmittags kommen Agy, Marie und ich ins Gespräch gemeinsam einen Strand-Ausflug anzutreten, war es doch in der letzten Zeit recht kalt bei uns! So stehen wir wenige Tage später an der Straße und versuchen unser Glück. Im Gepäck haben wir nicht allzu viel, denn wir gedenken nicht sehr lange zu bleiben. Nur ca. 80 Kilometer sind es zu jenem Ort, nach dem uns das warme Wetter lockt, fast unglaublich. Doch für diese Entfernung benötigen wir letztendlich ganze zwei Tage! Die Nacht zwischendurch müssen wir zum Glück nicht an der Straße im Zelt verbringen, denn im Supermarkt treffen wir den netten Alex, der uns mit zu seinem Haus nimmt. Mit ihm verbringen wir einen lustigen Abend und am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, bringt er uns zurück zur selben Auffahrt, an welcher wir am Tag zuvor versucht hatten zu trampen. Gegen Mittag erst geht es voran. Immerhin sind wir zu dritt und können uns abwechseln, dies könnte unserer Meinung nach sogar hilfreich sein, denn die Autofahrer werden zunächst nur einen von uns zu Gesicht bekommen. ;)

 

Als wir gegen Abend, mit gemischten Gefühlen, bereit sind die letzten Kilometer bis Maro, in der Nähe von Nerja, zu laufen, (was war es doch auch für eine mühselige Etappe), werden wir von einem englischen Paar aufgelesen. Wir machen es uns im Kofferraum bequem, die Rückbank ihres Trucks gehört nämlich ihren Hunden. Sie fahren uns direkt bis an den Strand, und damit meine ich, wirklich bis in den Sand, und lassen uns zuvor noch kurz im Dorfladen einkaufen. Im Dunkeln schlagen wir unsere Zelte auf und als wir glücklich und zufrieden endlich im Bett liegen beginnt es zu regnen. Glücklicherweise lässt uns die prellende Sonne am nächsten Morgen alles andere vergessen, und während die Mädels ihr erstes Bad in den Wellen nehmen, begebe ich mich auf die Suche nach einem neuen Platz. Wir hatten nämlich von einem gemütlicheren Strand gehört, der sich besser zum übernachten eignen würde. Und so ziehen wir, nachdem ich diesen ausfindig gemacht hatte, dorthin um. Es hat sich dort auch bereits eine nette Gruppe eingerichtet, mit denen wir uns bald gut verstehen. Witzig ist, dass die meisten dieser Menschen, die sich bereits durch eine Kommune (Beneficio) aus Spanien kannten, aus Deutschland stammen. Ansonsten ist unter ihnen noch ein Amerikaner, der allerdings auch fließend Deutsch spricht und ein Engländer. Für ihn und meine beiden Weggefährten wird also nun die meiste Zeit Englisch gesprochen.

 

Während wir in unseren Zelten schlafen haben sich die anderen aus Schilf-Bambus Unterschlüpfe gebaut. Es ist wirklich schön endlich wieder im „Freien“ zu schlafen. Bald gewöhne ich mich auch an das konstante, laute Rauschen der Wellen. Musik am Lagerfeuer, gemeinsames Kochen und tagsüber Baden, herum Stromern, Lesen, Bauen oder Handarbeiten passt uns genau richtig, besser könnten wir uns unserem kleinen Urlaub nicht vorstellen!

 

Im Zusammenhang mit dem nahenden Vollmond wird das Meer immer stürmischer und steigt drastisch an. Zunehmend wird der Strand schmaler und bald finden wir uns ein, um gemeinsam eine Schutzmauer gegen die Wellen du bauen. Fleißig versuchen wir viel Sand und möglichst große Steine aufzuschichten, um in der Nacht ruhig schlafen zu können. Als am folgenden Tag die Wellen allerdings tatsächlich bis an die Mauer schlagen, ist für uns klar, dass es an der Zeit ist, unsere Sachen in Sicherheit zu bringen. Die Mauer und der dadurch entstandene Graben geben noch eine Weile Schutz, sodass noch am Strand gesessen werden kann. Letztendlich wird uns dadurch noch einmal bewusst, wie mächtig das Wasser ist. Langsam verliert sich auch die gute Stimmung und es fängt an zu regnen. Für die nächste Nacht muss also eine Alternative gefunden werden! So kommt es, dass ich mit einem Landbesitzer spreche, der oberhalb der langen Treppe, die zum Strand führt, in seinem selbstgebauten bzw. zusammengeschusterten Häuschen lebt. Radek kommt ursprünglich aus Polen und gewährt Agy, Marie und mir unsere Zelte dorthin umzuziehen, (die andere würden weiter oben im Schilf übernachten, wo es ebenfalls sicher ist). Er ist ein wenig mürrisch und ich habe im Gefühl, dass dies nicht nur Ursache des starken Windes ist, der seine Pflanzen beschädigt. Sogleich bieten wir ihm, auch für die folgenden Tage, unsere Hilfe an, welche er dankend annimmt. So wird sein Dach repariert, ein neues Klo gebaut, Schilf geschnitten und Baumpflege betrieben. Bei letzterer Tätigkeit fliegt mir ungünstiger Weise, durch einen Windzug, Sägespäne ins Auge. Dies beschert mir den ganzen Tag über einen penetrant, stechenden Schmerz und bereitet mir tatsächlich auch etwas Sorge, doch zum Glück ist dieser weitestgehend am nächsten Morgen vorüber. Natürlich hatte ich Augentropfen dabei und mit meiner Medizin-Tasche konnte ich auch sonst immer mal helfen.

 

Am Abend des Vollmonds gibt es spontan einen Impuls eine schöne Party zu feiern. Ein Italiener, der immer Mal schon mit seiner wunderbaren Hang-Drum am Strand aufgetaucht war, wollte dazu aus der Gegend noch einige Leute einladen, und hatte auch schon einen geeigneten Ort im Kopf. An einem verlassenen Haus, unweit unseres Strandes, brennt als wir eintreffen bereits ein riesiges Feuer. Bei Wein und Liedern lassen wir es uns gut gehen, wahrlich ein eindrucksvoller Abend.

 

 

Als wir nach einigen Tagen beschließen unseren Schlafplatz wieder am Strand einzurichten, spült uns tatsächlich am nächsten Tag das Wasser ein weiteres Mal fast weg (mein Zelt wird sogar nass). Diesmal genügt es allerdings zu einem etwas höher gelegenem Stück des Strandes umzusiedeln. Die hohen Wellen rühren dieses Mal von einem Sturm auf offener See her.

 

Eine richtige Überraschung ist es, als wir eines Tages eine uns aus Granada bekannte Niederländerin treffen, die mit ihrem einjährigen Sohn einen Monat zuvor abgereist war! Da sie ebenfalls nun für einige Zeit am Strand sein möchte, können wir ihr ein wenig unter die Arme greifen, indem wir immer Mal auf ihr Baby aufpassen. Natürlich ist es dabei für mich naheliegend stets an mein kleines Schwesterlein zu denken, deren Geburtstag auch vor kurzem gefeiert wurde!

 

Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich sind aus „ein paar Tagen Strand“ fast drei Wochen geworden. Zwar hatten wir schon zuvor einmal daran gedacht zurück zu fahren, doch eigentlich gab es keinen zwingenden Grund. Die nächste Überraschung kommt so gerade recht: Ella eine liebe Freundin und Höhlen-Nachbarin war mit einem Freund und dessen Van übers Wochenende aus Granada losgefahren und zufällig am selben Strand gelandet! Ihr eigentliches Ziel lag einige Kilometer zurück. Da ist die Freude groß, und wir vereinbaren direkt, gemeinsam zurück zu fahren!

 

Während der Zeit im angenehmen Küsten-Klima, wird jedem von uns auf seine Weise klar: Die Zeit in Granada war wunderschön, aber nun kann dennoch etwas Neues kommen. Sobald wir also zurück im Valley sind, werden wir unser Hab und Gut endgültig packen, die Höhlen vernünftig hinterlassen und uns bei unseren Freunden verabschieden.

 

 

Während es Agy dann kaum einen Tag vom Wasser entfernt aushält, lasse ich mir ca. eine Woche Zeit alles zusammen zu räumen. Marie bricht dann auch recht bald auf, zusammen mit Zaque, der sie nun begleitet und dem wir noch ein wenig Granada zeigten. Alle drei fordern mich bei ihrer Abfahrt auf, auch so bald wie möglich zu unserem Strand zurück zu kehren. Ich bin wirklich froh, solch gute Freunde zu haben! Mit meinen Freunden in Granada wiederum, verbringe ich noch so viel Zeit wie möglich, um mich dann von ihnen verabschieden zu können. Außerdem liege ich noch einige Zeit im Bett, aufgrund einer Magendarm-Geschichte. Als dann allerdings endlich alles geklärt ist, bin ich in höchster Aufbruchstimmung und kann es kaum erwarten mich auf den Weg zu begeben.

 

Ich sause durch die Nacht, diesmal mit einer klassischen Mitfahrgelegenheit, und im Handumdrehen bin ich auch schon im bekannten Nerja und setze meinen Weg nach Maro zu Fuß fort. Keiner weiß, dass ich an jenem Abend zurück kehre, so viel Spass muss sein. Weit ist es nicht und wenige Minuten später stehe ich am Lagerfeuer und blicke in bekannte Gesichter! Für Zaque habe ich eine Gitarre im Gepäck, die ich zwei Abende zuvor in Granada einfach am Straßenrand fand! Unglaublich, diese ist wirklich noch sehr gut in Schuss und muss lediglich um ein paar Saiten ergänzt werden, bzw. für ihn linksherum aufgezogen werden. Da er bisher unterwegs auf anderen Gitarren nur eingeschränkt spielen konnte und er sich bereits auch auf Flohmärkten umgesehen hatte, freut er sich ganz besonders!

 

Für die Nacht, und als Rückzugsort, präsentiert sich mir ein perfekter Fleck etwas höher über den Klippen des Meeres. Ich erfahre, dass einen Tag nach unserer Abfahrt eine Woche zuvor, die Polizei einen Besuch abgestattet hatte. Sie waren in Booten gekommen und hatten den Strand geräumt und dabei auch einiges Material beschlagnahmt. Ein paar Töpfe gehen verloren, ein Zelt und einer verliert sein Fahrrad. Dies passiert im Groben wohl immer mal wieder, daher ist es gut nicht zu lange direkt am Strand zu übernachten. Unglaublich was ich vielleicht für ein Glück hatte und auch jetzt bin ich hier sicher. Darüber hinaus ist es nun für mich nun ein gemütlicher Zwischenstopp mit Bekannten, bis ich wirklich weiter reise.

 

 

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Logbuch VI

Winter in Granada

Das neue Jahr – ano nuevo, wird eingeläutet. Unter anderem erkenntlich durch das zahlreiche Feuerwerk über der Stadt. Dieses wurde allerdings auch an einigen vorigen Tagen schon freudig getestet. Nun betrachten wir zur finalen Minute, dem Wechsel ins Jahr 2018, das Spektakel der Pyrotechnik, der berstenden Feuersprudel, aus guter Entfernung. Einer der Hügel über unserem „Valley“ bietet eine nahezu perfekte Sicht. Agy neben mir bemerkt, dass es bei ihren Lieben in Estland bereits seit einer Stunde Neujahr ist! Und wir sind in Südspanien und erleben dabei beide zum ersten Mal in unserem Leben ein recht warmes Silvester.

 

Zurückblickend staunen wir über die Möglichkeiten, die sich uns bieten, ein freiheitliches Leben zu führen. Sie sind schlicht überwältigend und zugleich drücken sie eine zufriedenstellende Genugtuung aus, die meine Arme, immer wieder aufs neue, dankend Richtung Himmel bewegen könnte! Wie gut es uns geht! Richtig Pech hatten wir durch glückliche Fügungen nicht, bezogen aufs Ganze.

Um allerdings auch von der anderen Seite zu berichten: Agy hatte leider vor einigen Wochen eine offene Wunde am Schienenbein erwischt. Ein Krankenhaus war keine Option, da sie nicht versichert ist und von uns auch nicht unbedingt empfohlen wurde, da es nicht „unheilbar“ aussah und wir es vorerst selbst versorgten. Zu ihrem Verdruß schien die verdammte Wunde nicht zu heilen und auch nach mehr als einer Woche war ihrer Meinung nach kein Fortschritt erkenntlich, trotz einiger Mittel aus der Apotheke, unter anderem einer Antibiotika Salbe. Zum Glück fand sich über Bekannte des anarchistischen Squats, den wir an unserem ersten Tag in Granada aufgesucht hatten, ein Arzt der ihr helfen konnte.

Bald braucht sie also nicht mehr versuchen ihren Drang zum Tanzen zu unterdrücken, denn die Wunde wird Geschichte sein, und ihr Streetdance kein Problem!

Während der Zeit hier nahm sie schon an zwei Turnieren teil, welche sogar teils außerhalb Granadas stattfanden. Was der Rest unserer Kommune nur als Video ihrer Improvisationskunst bestaunte beeindruckte vor Ort eine Jury!

Mein zweiter stetiger Weggefährte, der hier auch mit Sack und Pack sesshaft geworden ist (naja für einige Zeit) bot an, sich um einen zweiten Hund zu kümmern, während deren Besitzerin für einige Zeit abwesend ist. Ireneuz unterscheidet sich zusammen mit Agy natürlich nur insofern von meinen anderen Freunden im Valley, dass sich unsere Wege zuerst kreuzten und wir tatsächlich immer noch zu dritt zusammen hier sind und für diese Zeit ein schönes Zuhause gefunden haben.

 

Es schneit. Nein. Doch, es SCHNEIT! Wir sitzen gemütlich im vorderen Raum meiner Höhle, den ich erst kurz zuvor fertigestellt habe, um eben dies zu tun, gemeinsam mit den anderen hier zu verweilen. Der Eingang meiner Höhle befindet sich ein wenig hangaufwärts und gewährt so, auch von Innen schauend, einen schönen Ausblick ins Tal und hinauf zum gegenüberliegenden Hügel, auf dem stolz ein einziger Baum wächst, den ich besonders gerne mag. In Wirklichkeit stehen hinter diesem Bäumchen noch etliche weitere, schützend, jedoch von unten schauend versteckt.

 

Jedenfalls sehen wir nun gespannt dem Schneetreiben zu. Es verwandelt unser Tal völlig. Mir gefällt dieser „Tapetenwechsel“! Aber hatten wir nicht am Tag zuvor noch barfuß Wasser geholt und in der Hängematte gechillt? Nach einem starken Regen, der während der Nacht getobt hatte, sind wir nun umso mehr erstaunt, die dicken Flocken scheinen eine Weile zu bleiben! Es ist also kalt genug um diese nicht direkt schmelzen sehen zu müssen. Mit Decken, Kerzen und Musik haben wir es gemütlich und später kochen wir noch. Das ist dank einiger Camping Gaskocher auch drinnen möglich. Am nächsten Tag haben die Bäume das meiste schon abgeschüttelt und auch in der Ebene reduziert sich das Weiß langsam wieder. In der Ferne bleiben allerdings unverändert die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada.


Aber noch einmal zurück zum Silvester-Abend. Agy und ich machen uns, vom Hügel aus, auf den Weg in die Stadt. Das Getöse ist immer noch deutlich zu vernehmen. Tatsächlich sogar fast stärker als direkt um 12 Uhr. Da waren die Spanier sicherlich mit ihren 12 Oliven beschäftigt. Das ist Tradition diese in den letzten Sekunden des Jahres zu essen. In der Innenstadt ist es eher ruhiger, wahrscheinlich ist es hier nicht erlaubt das Feuerwerk zu zünden. Wir gönnen uns Streetfood und treffen wenig später Marie, die übrigens auch mit uns im Valley wohnt. Zusammen sind wir nun auf der Suche nach einem guten Club. Die erste Idee ist gut, bis wir vom 10€-Eintritt erfahren. Weiter geht’s. Wir treffen die nächste Wahl, und begegnen in einem relativ alternativem Schuppen, vollgestopft mit Tanzenden Menschen und solchen die nur an der Bar sitzen, die sich bis ganz nach hinten zieht, viele unserer Bekannten! Sie sind hier schon eine ganze Weile und bleiben letztendlich auch länger als wir.

Rybi, der Agy, Ireneuz und mich am ersten Tag abends in der Stadt getroffen hatte, ist ebenfalls hier, sogar leider in Begleitung seines kleinen Hundes. Der hat es bei den vielen Menschen und der lauten Musik natürlich nicht so gut und hat sich hingekauert zwischen Taschen, unter Mänteln.

 

Bevor wir letztendlich aufbrechen, lauschen wir noch einer guten Jam-Session vor der Bar. Dann machen einige unserer Truppe sich auf den Heimweg. Immerhin noch eine gute Stunde zu Fuß. Rybi hatte sich nicht überreden lassen den Hund schon mit zurück zu schicken. Es war eine schöne Nacht! Am nächsten Tag müssen wir lange schlafen.


Auch mit meinem Freund Arren aus der UK bin ich immer Mal in Granadas Bars unterwegs, unter anderem auf der Spur von Life-Musik. Und die gibt es hier! Sehr gut gefällt mir eine Gruppe Französisch - und Russischsprachiger Menschen, mit außerdem einem Kanadier, die auf Akkordeon, Violine, Klarinette, Saxophon, Gitarre und Gesang, ein qualitatives Konzert ohne gleichen liefern. Begleitet werden die Instrumente von einem selbstgebauten, einseitigen Bassinstrument. Es besteht aus einer Plastiktonne an deren Unterseite ein Strick befestigt ist, der mit einem langen Ast gegen den Rand der Tonne gespannt wird und durch unterschiedliche Spannung des Seils seine Töne beim Anschlagen erzeugt. Diese Art von Bass habe ich zuvor schon bei einigen Jam-Sessions der Straßenmusiker gesehen und ausprobieren dürfen ebenfalls.

 

In Arrens Wohnung kann ich immer die vorteilhaften Eigenschaften eben dieser genießen. Duschen, ausgiebig Kochen und einen Film sehen! Er hat viel Platz. Mehr als seine Lebensgefährtin, die Katze und er benötigen, wie er meint. In dem Raum in dem ich auch zuvor schon übernachtet hatte ist es meinem Gefühl mach, ohne den externen Heizkörper, kälter als in meiner Höhle! Ach ihr Spanier, warum sind dünne Fenster und keine vorgesehenen Heizungen in den Häusern Normalität? Es wird doch jedes Jahr, wenn auch nicht sehr lange, auch mal ziemlich kalt! Und eine gute Isolierung würde sich auch an Sommertagen erkenntlich zeigen, die euch mit 45°C oder mehr plagen.

 

Dreikönig wird hier in Spanien erstaunlich groß zelebriert. Schon am Tag zuvor kann ich eine Parade beobachten, in den Läden gibt es den traditionellen Kuchen zu hauf, und Läden und öffentliche Einrichtungen haben auf einmal wieder geschlossen bis auf weiteres. Diese Fiesta-Kultur ist schon beeindruckend!

Wir feiern im Valley auch noch etwas, den Geburtstag von Ireneuz. Von mir bekommt er ein paar warme Wollsocken!

 


Kleiner Rückblick

Bereits mehr als zwei Monate sind nun vergangen, seit ich mein Zuhause in Deutschland verlassen habe. Einer meiner Wünsche war es, ins Warme zu reisen. Den regnerischen Herbst habe ich damals erfolgreich hinter mir gelassen, symbolisch sogar direkt nach der deutschen Grenze. Anschließend bin ich recht zügig durch Frankreich getrampt und bin dann sogar schneller als gedacht in Spanien gelandet. Je näher ich Südspanien kam desto mehr entschleunigte sich meine Reise. Unbewusst könnte man sagen, jedoch lag es zum einen am erschwerten Trampen und zum anderen am schönen Klima hier unten. ;) Jedenfalls habe ich bisher soviel gelernt, so viel Güte erfahren, so viele liebe Menschen kennen lernen dürfen, so viele tolle Orte erkundet und ich bin an meinen Erfahrungen gewachsen! Daraus entstehen nun neue Träume, wundervoll.

Also ich habe noch viel Energie meine Reise fortzusetzen, weiß aber natürlich nicht wie lange. An dieser Stelle mal einen lieben Dank an euch Leser! Euer Interesse an meiner geschriebenen Geschichte in Form der Logbücher erfreut mich.

 

Der Schnee, so sehr ich mich darüber auch gefreut habe, ist nun aber für mich ein Zeichen, dass der Winter mich eingeholt hat. Es wäre doch möglich erneut gen Süden aufzubrechen. Wie wird es wohl bei mir weitergehen?  

 

 

 

Übrigens, eine Auswahl der Portraits, die auf meiner Tour entstehen, veröffentliche ich von nun auf einer Instagram-Seite. Wer also in meinen Blogs ein paar Gesichter vermisst, kann diese dort eventuell finden.


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Logbuch V

„Feliz Navidad“ Momentaufnahme

Es ist kurz nach zehn. Dies deutet zumindest mein Gefühl. Mein Telefon hat keinen Saft und auch der Portable Stromspeicher gibt nichts mehr her. Das ist natürlich nicht weiter problematisch, schließlich kenn' ich mich mittlerweile recht gut aus in Granada. Zuhause im Tal, bei den Höhlen, sind meine technischen Hilfsmittel nur selten in Gebrauch.

 

 Ich bin auf dem Weg zu der gelben Salon Bibliothek direkt am Fluss, in der Stadt. Dort kann ich in Ruhe arbeiten, sprich Bilder kategorisieren, recherchieren und eben dieses Logbuch schreiben. Nebenbei wird das Elektronische wieder aufgeladen. Es ist ein wunderbarer Morgen. Klarer, blauer Himmel – keine Wolke in Sicht und die aufsteigende Sonne erhitzt langsam die Umgebung. Im Schatten ist es noch klirrend kalt. Vor einigen Tagen hatte es auch mal wieder geregnet. Zum ersten Mal nehme ich eine dünne Eisschicht wahr, die sich in unserem Abspülbehälter gebildet hatte, als ich mich aus dem Tal schleiche. Noch ist es verhältnismäßig ruhig überall, nicht einmal das gewohnte Bellen der Hunde ist zu hören.


 

Den Start der neuen Arbeitswoche nehmen die Spanier gelassen wieder auf, wie immer. Die meisten arbeiten wohl im Tourismus oder in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Insgesamt ist es eine sehr „junge“ Stadt, da die bis zu 80.000 Studenten der Universität Granada einen recht großen Teil der ca. 240.000 Einwohner ausmachen. Die Uni hat mehrere Campus in der Stadt verteilt, wovon ich mir einige bereits ansehen konnte. Meist sind es ein paar Hörsäle und eine Cafeteria, untergebracht in einem Gebäude, welches wie der Kreuzgang eines Klosters einen kleinen Innenhof, mit Bänken und dergleichen, umgibt. Diesen säumt ab dem ersten Stock ein Balkon-Rundgang. Solch gerade und logische Strukturen sind großteils auch im Straßenbild vorhanden. So findet man, nach einem Abstecher in parallele Sträßchen, nach „dreimal links“ gewöhnlich wieder auf die Hauptstraße. Im älteren Teil der Stadt verhält es sich jedoch anders, da viele verschlungene Wege zu öffentlichen Plätzen oder Wohnvierteln führen, die zudem des öfteren auch noch am Berg gelegen sind. Da wird es dann schon umso schwieriger sich zurecht zu finden. Ab und zu entpuppt sich eine Straße auch einmal als Sackgasse. Diese ist dann nur den Zugängen von Häusern oder der Hintertür eines Gasthauses gewidmet.

 

Abends hört das rege Treiben längst nicht auf! So gibt es die Touristen, die in den Bann des „marokkanischen Marktes“ gerissen werden, dort entweder Hippie-Kleidung und Schmuck von der Stange kaufen (was für ein Widerspruch) oder sich von geschickten Gastronomen ins Innere der Tavernen locken lassen. Diese versprechen ihnen einen Freundschaftspreis oder ein spezial Angebot bei großzügigem Konsum. Erwähnenswert ist jedoch wirklich das beliebte „Bier und Tapas“. So wird in wahrscheinlich jedem beliebigen Lokal Granadas zum Getränk ein Snack serviert, der teilweise wirklich satt machen kann! Dies soll eine granadische Spezialität sein, allerdings habe ich auch bereits in Valencia hausgemachtes Omelette zum Bier bekommen.

Und dann sind es sicherlich die Granadiner selbst, die sich ihren Weg durch die engen Gassen bahnen. Sie sind resistent gegen die Touristen-Spielchen und laufen zügig. Ich halte es eher wie sie, wenn ich beispielsweise auf dem Weg zum „Huerto de Carlos“ bin auf dem sich besonders Abends interessante, junge Menschen versammeln und gemeinsam Musik machen, ihre Jonglier-Künste zum Besten geben oder einfach gemütlich miteinander sitzen und erzählen. Dieser Platz liegt, mit einem schönen Blick auf den unteren Teil der Stadt, im ehemalig maurischen Viertel Albaicín welches dem UNESCO Weltkulturerbe angehört. Dort sind in einigen Bereichen auch Überreste der Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert zu sehen.

Zum UNESCO Weltkulturerbe gehört ebenfalls die sehr bekannte Alhambra, eine profane Ansammlung von Palästen, die dort zur islamisch-arabischen Zeit (Nasriden-Dynastie) im 13. und 14. Jahrhundert errichtet wurden. Das Innere dieser Paläste soll atemberaubend schön sein, für einen Eintritt von mindestens 14 Euro bei vorheriger Anmeldung, wird es für mich allerdings, trotz mehrfacher, ausdrücklicher Empfehlungen, beim Anblick von außen bleiben, der meines Erachtens jedoch lange nicht so beeindruckend sein wird. Von nahem ist der Anblick nämlich fast ein wenig ernüchternd, schaut man jedoch von einem gegenüberliegenden Hügel darauf, zum Beispiel im Licht der untergehenden Sonne, so wird daraus schon ein besonderer Moment. Gleichnamig dieser Anlage gibt es ortsansässig auch das Bier „Alhambra“, welches hier gerne getrunken wird und sogar in 1L-Glasflaschen erhältlich ist.

Sowohl im Albaicín als auch in Sacramonte, ebenfalls ein historisches Viertel Granadas, befinden sich inmitten der Häuser und Villen, zahlreiche kleinere und größere Kirchen und Kapellen.

Auf den Straßen wird viel Musik gemacht. Auch einige meiner Freunde im Tal und aus anderen Höhlen verdienen gelegentlich ein wenig Geld mit der Straßenmusik. Andere wiederum knüpfen aufwendige Makramee, malen Bilder oder Jonglieren an Straßenkreuzungen. Mir gefällt die alternative Szene und unter so vielen Kreativen fühle ich mich total wohl!

Auffällig im Straßenbild sind trotz der engen Gassen die vielen Fahrzeuge, die ständig unterwegs sind. Seit Frankreich mindestens, bin ich es gewohnt Roller um die Ecke schnellen zu sehen, beziehungsweise zügig von diesen überholt zu werden. Natürlich waren auch in Frankreich ungewohnt viele Autos in engen Einbahnsträßchen unterwegs, doch hier in Spanien und speziell in Granada ist es doch noch einmal stärker erlebbar. Es kommt mitunter vor, dass ich nicht mehr als ein fußbreites Stück Gehweg habe, auf das ich schnell flüchten kann, bevor das nächste Auto die Straße beansprucht. Viele Touris lassen sich in Taxen zu ihren Sehenswürdigkeiten, zurück zum Hotel oder zum Restaurant fahren. Das Übliche. Taxifahrer setzen hier sehr oft auf Hybrid-Fahrzeuge, somit ist kurioserweise nicht einmal ein Motorgeräusch zu vernehmen.

Auch die Anwohner fahren oft bis an die Haustüre. Fast jedes Haus hat in irgendeiner Form eine Garage. Auf den Straßen jedenfalls, stehen verhältnismäßig nur wenige Fahrzeuge. Auffällig viele Transporter a la „Camper“ parken spätestens zum Abend hin in einer der ruhigeren Straßen Granadas oder zum Teil auch versammelt an geeigneten Plätzen.

Linienbusse fahren im Kleinformat auch durch engere Straßen. Die spare ich mir allerdings nach wie vor und lege meine Strecken zu Fuß zurück. An manchen Tagen kommen dadurch einige Kilometer zusammen, aber daran habe ich mich gewöhnt und eigentlich tut es auch gut. Dafür gibt es zwischendurch mal Tage an denen ich meine Füße schonen kann.

 


Was gibt es noch zu erzählen? Vielleicht, dass es erstaunlich viele Apotheken und kleine Lebensmittel Geschäfte gibt. Das ist aber nicht sonderlich spannend. Habe ich stattdessen, durch meine wachsende Gewohnheit an diese Stadt, interessante Aspekte übergangen? Ich schreibe gerne einen Nachtrag. Lasst mich einfach wissen, falls euch zusätzlich noch etwas interessiert.


 Zu meiner Reise-Situation möchte noch gesagt sein, dass es mir überaus gut tut, auch gerade zum Jahresende hin, fest an einem Ort zu sein. Hier konnte ich im bereits sehr vertrauten Kreise schöne Weihnachten verbringen. Zu meiner Freude einmal ganz anders als jede Tradition, die ich bisher kennenlernen durfte. Fernab der konsumorientierten Beeinflussung der westlichen Weihnachts-Wirtschaft, war es für mich sehr interessant zu erkunden, was am Ende für ein Gefühl bleibt. Vermisse ich das laute, helle Klimbim in der Öffentlichkeit und die zum Überreiz gespielten Weihnachtslieder, die bereits Anfang November einsetzen? Fürs erste nicht. Ein wenig habe ich das „Feliz Navidad“ Getummel in der Stadt natürlich wahrgenommen nebenbei, jedoch gibt es auch keine Weihnachtsmärkte, wie es in Deutschland doch sehr üblich ist. Lediglich ein paar Stände und Zelte waren errichtet und ein paar Kinder-Attraktionen aufgebaut.

Mit unserem Weihnachtsessen am Lagerfeuer unter spanischem Himmel bin ich durchaus zufrieden. Gemeinsam hatten wir zuvor alles bereitet, anschließend gekocht und Mancher trug noch die ein oder andere Köstlichkeit oder Flasche Wein zum unkonventionellen Buffet bei. Sogar die Familie einer Belgierin war anwesend um uns Gesellschaft zu leisten. So war es wirklich ein schönes Fest, an dessen Ende mein Bauch mehr als voll war!

 

Diesen konnte ich während der nächsten Tage noch weiter füttern, mit feinem Gebäck und edler Schokolade, welche mir aus der Heimat gesendet wurden. Wärmend ist dabei nicht nur der Gedanke an meine liebe Mom, die sich mit ihrem Paket mal wieder selbst übertraf, sondern tatsächlich auch gute Wollkleidung und Socken die auch dabei waren! Außerdem bin ich nun endlich mit meinem Reisepass ausgestattet und somit in der Lage auch außerhalb der EU unterwegs zu sein.

 Ich bleibe länger als gedacht. Intensiv kann ich Erlebtes reflektieren, mein Jahr revue passieren lassen und dabei gespannt in die Zukunft blicken. Immer wieder kommen mir Ideen und ich verspüre auch wieder große Lust aufzubrechen, auf der anderen Seite ist es bei uns im Tal einfach super gemütlich! In der letzten Zeit habe ich an meiner Höhle einige Arbeiten vorgenommen und diese wohnhafter gestaltet. Hunderte Kilos Schutt und Steine habe ich zu einer großzügigen Terrasse im Hang aufgeschüttet und gleichzeitig den Zugang geebnet und einige Stufen angelegt. Trotzdem stelle man sich besser keinen Luxus vor, wie ihn einige Höhlenbewohner in der Umgebung über die Jahre erreicht haben. Jedoch ist das im Moment genau das richtige für mich!

 

Ich hoffe ich konnte euch nun einen guten Einblick geben, von dieser wunderbaren Stadt. Leider können es auch noch so viele Bilder nicht so beschreiben, wie es sich für mich anfühlt hier zu sein. Bis ich diesen Bericht nun fertig habe, ist einige Zeit vergangen, in der ich immer mal wieder noch Fotos gesammelt habe, um ein vollständigeres Bild zu schaffen. Oft habe ich mittlerweile allerdings meine Kamera nicht mehr dabei. Der Flair einer neu entdeckten Stadt verfliegt langsam, doch enthusiastisch finde ich selbstverständlich immer noch Ecken die ich zuvor noch nicht gesehen habe. Jedenfalls kann mein Vollständigkeitsanspruch über Granada zu berichten wahrscheinlich nur gestillt werden, indem ich appelliere euch selbst ein Bild zu machen, wenn es sich einmal ergibt.

Eins der Fotos sollte ich zu guter Letzt vielleicht noch erklären. Darauf zu sehen ist eine Zigeunerin, die eine ahnungslose Touristen am Handgelenk packt und erst wieder loslassen wird, wenn diese ihr ein paar Euro für ihr mickriges Sträußchen geben wird.

 

 

Euch wünsche ich hiermit einen angenehmen Jahreswechsel! Zeit für neue Ideen und Ziele.

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Logbuch IV

Von Granada der Hippihauptstadt Europas

Die erste Nacht in Granada verbringe ich im Hostel. Wie schon zuvor ist es wirklich schwierig so kurzfristig eine Couchsurfing-Möglichkeit zu finden. Eine Nacht ist jedoch zu verkraften und am nächsten Tag würde ich mich nach einer Alternative umsehen. Im Zimmer treffe ich einen verrückten Niederländer, der mir später im Frühstücksraum vor versammelter Runde unterstellt ein Trump Sympathisant zu sein. Aus irgendeinem Grund findet er Gefallen daran die Grenze des Witzes zu überschreiten und aus einem guten Gespräch, welches wir zuvor führten, wird in kürzester Zeit eine unbequeme Situation. Aber ich treffe auch auf Ruprecht aus Deutschland der mit seinem Fahrrad auf dem Weg in die Sahara ist! Dieses ambitiöse Idee gefällt mir gut und ich würde gern mehr erfahren, doch sowohl er als auch ich haben Pläne für den Tag und so wünschen wir uns gegenseitig eine gute Weiterreise. Ich werde dann wohl auf seinem Blog von den Abenteurern lesen, den er aber noch nicht angefangen hat.

Ich hinterlasse meinen Rucksack im Hostel und erkunde die unmittelbare Innenstadt. Dabei finde ich einen Weg in das teils trockene Flussbett. Eine ganze Weile laufe ich darin bis fast zum Stadtrand in Richtung der schneebedecktes Gebirge, auf Spanisch Sierra Nevada. Diese bilden im mächtigen Massiv das Rückgrat dieser Stadt. In Almeria reichen dessen Steilhänge sogar bis an die Mittelmeerküste. Wintersportler finden im Sierra Nevada  Europas wahrscheinlich südlichstes Skigebiet und auch Wanderer und Mountainbiker sind hier im Paradies. Außerdem befinden sich unter den Gipfeln etliche Dreitausender!


Auf dem Weg zurück ins Zentrum gehe ich auf zwei, offenkundig, Reisende zu und unterhalte mich mit ihnen. Agy, die ursprünglich aus Estland kommt und seit einigen Monaten unterwegs ist und Ireneuz, der ihr vor ein paar Tagen begegnet war, und außerdem seinen Hund Dragon bei sich hat, stammt aus Polen. Ich erzähle ihnen, dass ich von einem anarchistischen Nachbarschafts-Treff in einem der am längsten besetzen Orte Spaniens gehört habe (seit 1990) und gerade auf dem Weg dorthin sei. Sie beschließen mit mir zu gehen, denn auch sie haben noch keinen Platz für die Nacht.

Nachdem wir dort zwar herzlich aufgenommen werden, wird allerdings schnell klar, dass eine Übernachtung dort leider nicht möglich ist. So lernen wir jedoch ein paar Leute kennen, die sich versammelt haben um zusammen ein paar Zirkusaktivitäten zu üben. Und kochen dürfen wir dort auch!

Meine beiden neuen Weggefährten haben schon von den Höhlen Granadas gehört, welche auch durch weitere Informationen der Menschen dort im Squat (Hausbesetzung), zu unserem nächsten Ziel werden. Nachdem also auch ich mit meinem vollen Gepäck beladen bin, machen wir uns auf den Weg und landen nach einer Weile im alternativen Albaicín, dem Hippi-Viertel. Nach dem wir mit einer freundlichen Straßenmusikerin unsere Optionen evaluiert hatten wollen wir bei einem sehr bekannten Treff versuchen jemanden zu finden, der sich bei den Höhlen auskennt.

Auf magische Weise begegnen wir kurz darauf in einer vollen, bunten Straße Rybi, der uns mitnimmt. Er wohnt mit einem Freund in einer der besagten Höhlen neben vielen anderen tollen Menschen. Er war gerade mit seinem Einrad unterwegs gewesen, um noch etwas zu erledigen, entscheidet dann aber uns direkt zu helfen.

Wow, was für ein Glück wir doch haben! Da es auch schon sehr spät ist, sind wir sichtlich erleichtert. So folgen wir ihm stetig auf der Straße, die aus der Stadt heraus führt, Richtung Wald.

Nachdem er sich im Englischen wieder aufgewärmt hat, hier spricht er nämlich entweder seine Muttersprache Französisch oder eben Spanisch, können wir auch gut miteinander kommunizieren. Er kommt aus Belgien und verbringt zusammen mit ein paar Freunden den Winter hier in Südspanien. Einige von ihnen lernen wir direkt kennen, als wir in der ersten Höhle ankommen. Wir bekommen Tee und Essen angeboten und verbringen in ihrem gemütlichen Heim eine ganze Weile im Gespräch.

Kurz vor Mitternacht gehen wir dann noch ein Stück weiter ins Tal, zu Rybis Höhle. Er möchte uns freundlicherweise Weise bei sich unterbringen. Wie auch schon zuvor sagt er auf lässige Weise wir hätten es bald geschafft, nur noch ein paar Minuten Weg lägen vor uns. Mit einem Mal fühle ich mich einem Hobbit gleich, der sich ordentlich mit Gepäck beladen, mühevoll durchs Auenland der Tolkien-Werke quält. Aber es ist wunderschön! Die kleinen Höhleneingänge links und rechts am Wegesrand wirken friedlich.


Die Idylle können wir in vollem Maße erst am nächsten Morgen bestaunen, als wir bestens ausgeschlafen aus der Höhle treten. Wir lernen die anderen Bewohner nach und nach kennen, unter anderem treffen wir die Straßenmusikerin vom Vorabend wieder(!), und fühlen uns wirklich wohl hier. Sogar so sehr, dass wir, mit der Einverständnis der Menschen die hier leben, entscheiden für einige Zeit zu bleiben! Ireneuz, der schon ein einige Jahre auf Reisen ist, beschließt sogar nach ein paar Tagen, hier in Granada zu überwintern und wird sich in einer der freien Höhlen einrichten, und das obwohl er gewöhnlich nicht soweit vorausplant.

 

Für mich ist klar, dass ich nicht allzu lange bleiben werde, aber dennoch ist es mir wichtig, diesen Ort etwas genauer wahrzunehmen. Mir gefällt die Dualität des Lebens in der Natur, und der Nähe zur Stadt, in der wir Einkaufen, Wasser holen, Duschen können. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre in der Community, in welcher wir uns angeregt unterhalten, schweigen oder Musik machen können, zusammen Kochen oder gemeinsam am weiteren Ausbau der Höhlen arbeiten. Seit unserer zweiten Nacht hier habe ich in einer der leerstehenden Höhlen im Hang mein Lager errichtet und fühle mich sehr wohl darin. Es ist wirklich ein schöner Ort, um mich für eine Weile auf das Wesentliche zu besinnen und interessante Leute kennen zu lernen. Tagsüber bin ich oftmals in der Stadt unterwegs oder aber verbringe Mal einen Tag mit meinem Buch auf dem sonnigen Berghang, je nach Lust und Laune.

 

Aus Respekt zu meinen Mitmenschen, die in den Höhlen für einige Zeit lang ihr Zuhause gefunden haben, hole ich meine Kamera nur sehr selten hervor, um einen besonderen Moment einzufangen. So wird dieses einmalige Erlebnis weitestgehend in meiner Erinnerung am Leben bleiben. Nähere Details werde ich auch nur im Persönlichen berichten.

Zwischendurch huscht immer mal ein Gedanke durch meinen Kopf, wie die Reise weitergehen könnte, doch wirklich planen werde ich auch weiterhin nicht. Zum Jahreswechsel könnte ich also bereits aus Spanien ausgereist sein oder aber mich noch auf einer Tour durch Andalusien befinden.

Im nächsten Logbuch erzähle ich euch, eventuell auch noch mit einigen Bildern, etwas mehr über die siebeneinhalb-hundert Meter über dem Meeresspiegel liegende, mit arabischen Einflüssen versetzte, andalusische Stadt Granada. 


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Logbuch III

Eine Woche Valencia und Schritte Richtung Sierra Nevada

Valencia, eine wirklich schöne Stadt an der Mittelmeer-Küste Spaniens, zeigt sich mir während meiner Woche dort von den unterschiedlichsten Seiten. Ich passe mich dem spürbar entspanntem Puls der Stadt an und überstürze dabei nichts. Ich erkunde den im ehemaligen Flussbett angelegten Park, welcher als grüner Gürtel durch die ganze Stadt mäandert. Dort finden sich etliche Spielplätze, Sportanlagen, Museen und dergleichen! Ein wirklich breites Angebot für alle, innerhalb der drittgrößten Stadt Spaniens. Es besteht die Möglichkeit, kilometerlang ungestört zu laufen. Zum Zwecke des Sports sind in regelmäßigen Abständen auf einem bestimmten Weg Entfernungstafeln eingerichtet und Trinkbrunnen.

Weiterhin befindet sich Richtung Ende der Parkanlage, fast schon am Hafen, die sogenannte „City of Science“, ein kultureller Unterhaltungskomplex, bestehend aus monumentalen Bauten, der Architekten Santiago Calatrava und Félix Candela. In einem der Gebäude finden zum Beispiel ein Planetarium, Laserium, Museen und ein großes Kino Platz. In einem anderen gibt es das Ozeanographische Aquarium zu betrachten.

Das Gesamtbild wirkt zwar fast ein bisschen überhäuft, als wollte man der Stadt zwangsweise ein Wahrzeichen verpassen, doch im Einzelnen beeindrucken mich die Bauwerke, unter denen sich auch eine majestätische Brücke befindet, ohne Frage!


Bevor ich mich von Benji und den Mädchen am Abend verabschiede, erzähle ich ihnen noch von der Dach-Terrasse, die ich in ihrem Haus entdeckt habe, von der aber keiner der Bewohner aus der WG im 2. Stock etwas wusste. Sie hatten sich schlicht noch nicht für die oberen Stockwerke interessiert, sind nun aber um einen neuen Platz zum Chillen reicher. Mich hatte der alte Aufzug zu einer kleinen Entdeckungstour gereizt und ehrlich gesagt hielt ich auch schon nach einer Tür oder Luke Ausschau. Die Spanier nutzen nämlich häufig die Fläche des Daches zum Sitzen, Wäsche aufhängen oder als Stauraum, gerade in den Städten, wo der Platz knapp bemessen ist.

 

Die Taxifahrer streiken in der Stadt, zumindest einige. Und vorbeifahrende, die sich einen Ausfall nicht leisten können, hupen zustimmend. Sie demonstrieren gegen die Ungerechtigkeit, die ihnen gegenüber neuen, riesigen Unternehmen, wie „Uber“ und „Cabify“, zuteil wird. Diese zahlen laut ihnen nicht ansatzweise so viel wie die traditionellen Einzelunternehmer. Hierbei beläuft es sich auf Steuern und möglicherweise Platzgebühren, die für sie sehr hoch sind.

Im Zentrum bestaune ich noch die große Markthalle, in der vorwiegend frische Köstlichkeiten zum Verkauf stehen, aber auch Nüsse, Gewürze und Wein. Und ich erklimme eine Wehranlage aus dem Mittelalter, die für ein faires Eintrittsgeld ihre historischen Mauern öffnet und von ganz oben einen einmaligen Ausblick freigibt.


Der erste Regen fällt, seit dem Anfang meiner Reise. Das ist hier wohl auch dringend nötig, denn es hat bereits seit mehr als einem Monat nicht geregnet. Dennoch habe ich das nasse Wetter nicht vermisst, welches ich seit dem Anfang meiner Reise hinter mir gelassen hatte.

An jenem Abend habe ich mich mit Pau, meinem Gastgeber, während meiner letzten Tage in Valencia, in einer Bar verabredet. Dort ist es sehr gemütlich, wir stoßen mit besonderem Bier an und essen hausgemachtes Omelette. Es kommt noch eine Freundin von ihm dazu, die gerade von einer Südost-Asien Reise zurück kommt, und auch bei ihm übernachten wird. In der Bar begegnet mir noch ein Belgier namens Stephan.Wir unterhalten uns kurz, unter anderem über gemeinsame und unterschiedliche Bedeutungen von Redewendungen im Deutschen, beziehungsweise Flämischen. Eine Sache findet er ganz besonders lustig und berichtet es direkt einem langjährigen Musikerkumpel am Telefon, den er oftmals nur wegen eines Witzes anbellt. Bellen steht im Flämischen nämlich für anrufen! :)

Als wir uns dann zu dritt auf den Heimweg begeben, stelle ich mir schon vor, wie meine erste Nacht auf einem Boot sein würde. Pau hatte nämlich ein kleines Segelboot, welches hier in Valencia gut versorgt im Hafen liegt, vor einem Monat erstanden und wohnt nun darin. Im Inneren liegen einige Werkzeuge, mit denen er das Boot repariert. Es ist wirklich klein und schön, wir finden alle gut Platz. Ich bekomme sogar eine eigene Kajüte zur Verfügung gestellt! Ganz in der Spitze des Boots schaukeln mich dann die Wellen und das Trommeln des Regens in den Schlaf.

 

Der folgende Tag hat im Großen und Ganzen nicht viel mehr als Regen für mich zu bieten. Nagut, ein paar trainierende Zirkusathleten bekomme ich auch noch zu Gesicht und beobachte einige Zeit lang gespannt ihr Können.

Später bin ich am Strand, überbrücke die Siesta der ersten Bibliothek mit einem schlendernden Spaziergang, um darauf, über Umwege durch niedliche urbane Gärten, in die nächste Bibliothek zu flüchten. Dort sitze ich noch eine Weile und lese, bis auch diese schließt. Langsam begebe ich mich zurück zum Boot, kaufe unterwegs noch ein und genieße für einen Augenblick, von einer Anhöhe aus, den Blick über den nächtlichen Hafen.

Pau erlaubt mir, sowohl an diesem Abend, als auch am folgenden Tag, das Boot zu betreten und zu verlassen wie es mir passt. Dieses entgegengebrachte Vertrauen schätze ich sehr und bin ihm für dieses einzigartige Erlebnis insgesamt enorm dankbar!

 

Der nächste Tag stellt sich als geradezu unerfolgreich heraus, da es mir nicht gelingt, per Anhalter die Stadt zu verlassen. So beschließe ich zähneknirschend, es erst am nächsten Morgen, ausgeruht, wieder aufzunehmen. In dieser Nacht kampiere ich hinter einem heruntergekommen und vermüllten Haus, in einer verarmten Gegend. Aber wer hätte gedacht, dass ich inmitten einer solchen Großstadt den perfekten Platz zum übernachten finde! Kleinbauern haben dort ihre Felder und Hütten und die etlichen „Müllpiraten“ der Stadt ihre Lager. Das soll bitte in keiner Weise abwertend klingen. Es gibt einfach viele, die mit einem Fahrrad oder einem Einkaufswagen in der Stadt auf Rohstoff-Suche unterwegs sind, um sich dadurch dann ein paar Groschen zu verdienen. Ich habe schon die skurrilsten Dinge auf ihren Transportmitteln entdeckt, wie zum Beispiel die Rahmen alter Zugfenster, fette Bücher oder Gerüst-Material, einfach alles. Dies war mir auch in Barcelona aufgefallen.


Als mich meine nächsten Mitfahrgelegenheiten, durch einen Mann aus Mali und anschließend einer Studentin aus Bolivien, an einem Nachmittag bis Murcia bringen, habe ich die Reise, nach gut einer Woche, wieder aufgenommen. In Murcia darf ich bei Maike, einer Medizin Studentin aus Dresden unterkommen, die sich selbst am nächsten Morgen auf Reisen begibt.

Im Laufen sehe ich am nächsten Vormittag sogar noch etwas von der Stadt, betrachte es allerdings eher als einen wirklich schönen Zwischenstopp. Heute steht Granada auf meinem Schild. Schon viel habe ich von dieser Stadt gehört. Mein Besuch dort hat allerdings noch etwas Zeit.

Unterwegs treffe ich Pedro und Marina, die mich ein Stück mitnehmen wollen. Bei ihnen darf ich dann sogar zelten. Marina lebt mit ihrer Familie und Pedro, den sie schon viele Jahre lang kennt, in einem Höhlenhaus. Zwar haben sie von ihrem Zimmer aus eine wundervolle Aussicht auf das Flussbett und den Berg mit der Burg, doch liegt auch ein Teil der Wohnung im dunklen Hang. Die Küche und einige Räume können nur durch elektrisches Licht erleuchtet werden. Apropos Elektrizität, als am Abend der Strom mehrere Male ausfällt, klärt mich Marinas Onkel lachend auf: „typisch Spanien“. Denn wird das festgelegte Limit überschritten, springt einfach die Sicherung heraus, ein interessantes Erlebnis. Natürlich ist der Strom wichtig für die Menschen hier wie anderorts auch, als viert teuerstes Land für Strom in Europa allerdings, gilt es in Spanien sparsam damit umzugehen. Geheizt wird mit kleinen portablen Gasöfen, die mit handelsüblichen, Tanks betrieben werden.

 

Am Abend feiert Marina in der „besten Bar“ des Dorfes in ihren Geburtstag hinein. Ihr sehr sympathischer Freundeskreis sorgt für gute Stimmung, viele fragen mich unter anderem nach meiner Reise und es wird fleißig eingeschenkt. Das erste Mal erlebe ich es, der Einzige zu sein der weder viel spanisch versteht, noch dieses beherrscht, denn auch ein Argentinier, der sich mit mir zu verständigen versucht, spricht quasi nur Spanisch. Aber Englisch sprechen zum Glück dennoch viele, doch nicht alle trauen sich. Mir wird vermittelt, dass es hier die besten Menschen gäbe und so keine andere spanische Stadt mehr besuchen müsse. 

Die Leute meinen es gut und es findet sich direkt noch jemand, der mich am Montag bis nach Granada mitnehmen wird! Benitez arbeitet dort und kommt nur am Wochenende in sein Heimatdorf Puerto Lumbreras. Dessen Bedeutung, grob übersetzt, Hafen und Schläue entspricht. Beides sei in Puerto Lumbreras nicht zu finden, sagt er mir im Spass. 

Zuvor hatte ich die Zeit des Sonnenuntergangs auf einem Berghang, über dem Dorf, verbracht. Von dort aus hatte ich gute Sicht, unter anderem über das gigantische ausgetrocknete Flussbett, welches zuletzt vor knapp fünf Jahren zum letzten Mal Wasser geführt hatte. Es ist schlicht eine sehr trockene Gegend, in der es auch nur äußerst selten zu Regen, geschweige denn Schnee kommt. Kalt wird es dennoch ziemlich, in der Nacht sinkt die Temperatur auf ca. 1° C, doch in meinem Schlafsack habe ich es warm!

 

Es ist Wochenende und ich nutze den Sonntag Vormittag zum Waschen meiner Kleidung. In der Mittagssonne ist diese auch im Nu getrocknet, wirklich erstaunlich! Tagsüber wird es hier in der bergigen Region zurzeit nämlich immerhin 12° C. In aller Frühe baue ich mein Lager ab, packe meinen Rucksack und verabschiede mich von Marina und Pedro, die mich so liebevoll in ihrem Zuhause aufgenommen hatten. Später werden sie zur Arbeit fahren, die Olivenernte steht an. Bis zum Ende der Woche möchte Pedro noch 500kg einbringen, da der Mindestbetrag für die Ölmühle 800kg beträgt.


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Leben und Alltag in Australien

In meinem zweiten Eintrag für diesen Blog, welchen ich an einem meiner selten freien Tage

schreibe, während der Ventilator in meinem Zimmer das derartig aride Klima von 30° C halbwegs erträglich macht, möchte ich etwas ausführlicher auf meine derzeitige Situation

eingehen. Während der erste Eintrag als Einleitung und Momentaufnahme zu verstehen ist, soll

dieser nun einen kleinen Einblick in mein Leben in Sydney geben. 

  

Ich bin nach mittlerweile 6 Wochen, wobei ich mir bei der Länge meines Aufenthaltes nicht so

sicher bin, man verliert hier sehr schnell das Zeitgefühl, sehr gut angekommen und habe mich

ohne Probleme eingelebt. 

 

Ich nächtige immer noch im gleichen Hostel, die Tage kommen und gehen, sowie auch neue

Bekanntschaften und Menschen. Vor einigen Tagen musste ich mich von einem guten Freund

verabschieden, ein Engländer mit typisch englischem Humor und interessanter Persönlichkeit. Er

lebt das Leben eines digitalen Nomaden, sein Computer ist sein mobiler Arbeitsplatz, was ihm

eine seltene, einzigartige Freiheit verschafft. Mit James habe ich ungefähr 3-4

Wochen zusammen in einem 10-Personen Zimmer gelebt. Der Abschied war dennoch ertragbar,

wir sehen uns in Asien wieder. 


Und ja, es ist so verrückt wie es klingt, das Leben zu zehnt in einem Raum. Mir sind in diesem

Zimmer einige der verrücktesten Erlebnisse meines Lebens passiert. Von mastubierenden

Zimmergenossen(nein, das war keine schöne Erfahrung) hin zu einer weißen Familie mit einem

schwarzen Kind, welches von ihnen regelmäßig regelrecht angekettet wurde an Gegenständen in

ihrer Nähe wie zum Beispiel dem Ofen in der Küche bis zu einem Inder, welcher nur eine Nacht in

unserem Zimmer verbrachte und sich doch für immer in unsere Gedächtnisse eingebrannt hat.

Aus irgendeinem Grund trug er in aller Öffentlichkeit einen rosa- gelben String, eine von denen mit

so wenig bedeckendem Material wie möglich. Die meiste Zeit trug er nichts weiter als die etwas

spezielle Unterwäsche. Es bedeutete auch kein Problem für ihn, sich zwecks dessen nackt vor

uns zu entblößen um ebendiesen String anzuziehen. Er lief sogar nur mit String durch das ganze

Hostel zur Rezeption auf der anderen Seite des Flurs. Und als er nach einer Nacht das Hostel

verließ, nahm er alles mit, bis auf den besagten String. Den fanden wir am gleichen Tag vorbildlich

aufgehangen am Kleiderständer. Als Abschiedsgeschenk vermutlich. 


Ich habe nach kurzer, aber stressvoller Jobsuche einen wirklich tollen Job gefunden. Ich bin bei

einer Cateringfirma als Delivery driver und Event staff angestellt. Die Arbeitsatmosphäre ist super,

was essenziell Ist für den kollektiven Erfolg und für meine Motivation! 

 

Auch ist die Arbeit sehr abwechslungsreich, da ich mit Firmenautos Essen in ganz Sydney

ausliefere, was zwar oftmals stressig, aber auch sehr spaßig ist. Vor allem die Tatsache, dass

meine Firma hauptsächlich große IT-Unternehmen mit qualitativ hochwertigem Catering beliefert

macht den Job zu einem regelrechten Glücksfall für mich. Viele Backpacker arbeiten auf dem Bau

oder in ähnlichen physisch fördernden Berufen, weshalb das durchaus keine

Selbstverständlichkeit darstellt. Andererseits bin ich als Event staff auf abwechslungsreichen und

oftmals sehr exklusiven Events tätig, beispielsweise Hochzeiten, Firmenfeiern von Unternehmen

wie Snapchat und co. Die Bezahlung ist mit 23-28 Dollar/h je nach Wochentagen- oder

Wochenenden nicht schlecht, wenn auch nicht über dem Durchschnitt. Wer hätte gedacht, dass

ich mal gerne im Stau stehen würde, aber für 23 $/h tut man einiges... 

 


Die Arbeit als Bike Messenger ist hier auch sehr beliebt, ich habe auch schon ein Fahrrad gekauft,

von einem Franzosen der es nicht rechtzeitig verkauft bekam bevor er nach Bali flog, sodass ich

das Fahrrad billig abstauben konnte. Dies eröffnet mir neue Möglichkeiten als Bike Messenger zu

arbeiten, weil ich Fahrrad fahren ohnehin aus Berlin vermisse und die flexiblen Arbeitszeiten sehr

wichtig sind durch die unregelmäßige Natur des Cateringbusiness. 

 

Mein grober Plan ist, bis Ende Januar in Sydney zu arbeiten um Geld zu sparen für drei Monate

Reisen, wie und mit wem weiß ich noch nicht. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und ich

möchte mir vorerst alle offen halten. 

 

Die freie Zeit in Sydney kann man mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten gestalten. Hier

gibt es wunderschöne Strände, kostenlose Barbecue-Spots in öffentlichen Parks und jede Menge

gutes Essen aus aller Welt. Vor allem Taiwanische Freunde aus Sydney haben mir gezeigt, wie

originell und unterschiedlich die asiatische Küche sein kann. Ich habe das Gefühl, diese macht oftmals genau das Gegenteil der europäischen Küche in vielen Aspekten der Zubereitung und Verwendung und Nutzung von Zutaten. Und es schmeckt (meistens) gut! 

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Logbuch II

Marseille, Barcelona, Valencia - Durch die Provence nach Spanien.

Aus Lyon zu trampen stellt sich als einfacher heraus, als gedacht. Zwei junge Männer, die gerade auf dem Weg zu einer Baustelle sind, nehmen mich ein gutes Stück mit. Während des nächsten Stopps treffe ich eine nette Tramperin, die aus Marseille kommt und gerade nach Lyon möchte. Sie meint, es sei wirklich einfacher in Richtung Süden mitfahren zu wollen. Da habe ich wirklich Glück. Und nicht nur damit, das Wetter ist perfekt!

Schon am frühen Nachmittag erreiche ich Marseille. Mit meinem Gepäck kann ich mich nur eingeschränkt in der Stadt bewegen und so suche ich mir regelmäßig einen Platz zum Verweilen. Dann folgt normalerweise die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Das ist immer so spontan nicht ganz einfach. In Marseille nimmt mich für die ersten beiden Nächte Rima auf. Sie lebt seit sieben Jahren in der Stadt, und kommt ursprünglich aus Marokko. Sie hatte Informatik und anschließend Logistik studiert, arbeitet nun aber als professionelles Model. Wir verstehen uns direkt sehr gut, obwohl sie einige Jahre älter ist, oder gerade deswegen. Noch am selben Abend treffen wir uns noch mit Leuten aus Spanien, Italien, Russland, Kasachstan und natürlich Frankreich und klappern ein paar Bars ab, in Marseilles alternativem Viertel. Als wir schließlich in einer unterirdischen Karaoke-Bar landen, in der auch gute Stimmung ist, werde ich langsam müde. Dass in dem ohnehin recht kleinen Raum geraucht wird, finde ich unmöglich. Ich freue mich nur noch auf das weiche Bett, welches mich erwartet!

 

Ein neuer Tag beginnt und ich nutze diesen in voller Länge aus, um mir ein Bild von der Stadt zu verschaffen. Auf den Hinweis Fernandos hin, den ich am Abend zuvor traf, und der auch zwischendurch deutsch mit mir sprach, da er zwei Jahre lang in Augsburg gelebt hatte, leihe ich mir ein Stadt-Fahrrad. Dies ist relativ einfach, es wird lediglich eine Kaution vorgemerkt. Weiterhin bleibt das Ganze auch kostenlos, solange die Nutzung eine halbe Stunde nicht überschreitet. So stelle ich mir jedes Mal einen Timer, der mich rechtzeitig daran erinnert, das Fahrrad auszutauschen. Dies klappt super und so bin ich während meiner Zeit in Marseille sehr flott unterwegs und sehe wirklich viel von der Stadt! Dabei führen meine Wege durch die historische Altstadt, an den alten Hafen, zu einem Berg auf dem wieder eine eindrucksvolle Kirche ihren Platz hat, bis hin zum Strand, der sich bis ans äußerste Ende der Stadt und darüber hinaus zieht. In Marseille sehe ich die ersten Palmen, die mir bestätigen, im Süden zu sein und mich dabei noch einmal leichter fühlen lassen.

 

Nach einem wunderbaren Tag an der Küste beschließe ich, nicht mit dem Fahrrad zurück zu fahren. Der Wind hatte zuvor die meiste Arbeit geleistet, der an diesem Tag wirklich enorm ist, und so wäre der Rückweg eine einzige Plackerei. Also stelle ich mich an die Straße, die zurück nach Marseille führt, und halte wie gewohnt meinen Daumen hoch. Plötzlich hält ein Motorrad neben mir an, welchem meine Anfrage vorerst nicht golt, und darauf sitzt Thomas! Ihn hatte ich am Abend zuvor kennengelernt. Als er mich kurzerhand auf sein Motorrad, eine 40-jährige Honda Maschine, einlädt, bin ich vor Freude kaum zu halten. Tatsächlich ist es mein erstes Mal, mit einem Motorrad eine längere Strecke zu fahren.

Durch den Sonnenuntergang bildet sich ein dunkelroter, leuchtender Streifen am Horizont, welcher die bereits dunkle Küste mit einen warmen Akzent unterstreicht. Während wir uns, nach schnellen Kurven durch den zähen Stadtverkehr schlängeln, erzählt mir Thomas, er habe soeben mit den Frauen, aus Peru und Indonesien, einen Kaffee getrunken, die wir auch vom Abend zuvor kannten! Sowohl sie, als auch mich, trifft er an diesem Tag per Zufall wieder! Thomas hatte mich zwar zu einem Radrennen in einer benachbarten Stadt eingeladen, die Pläne hatten sich jedoch geändert und so rechneten wir wirklich nicht damit, uns noch einmal zu begegnen.

 

Im Gleichgewicht zu meinen ereignisreichen Tagen in Marseille, an denen ich mir ausgiebig Zeit alleine nehme, mich umzusehen, ist an den Abenden und Nächten ebenfalls immer etwas los und ich treffe viele interessante Leute!

Für die letzte Übernachtung bietet mir Martina aus Italien, ihre Couch. Sie mag ich auch wirklich gerne und freue mich schon, Ihr einmal in Rom einen Besuch abzustatten.


Ich stelle für mich fest, dass Städte die einen direkten Zugang zum Wasser haben, besonders sympathisch auf mich wirken. Sei es nun das Meer oder ein gewaltiger Fluss. Seit jeher wurden Siedlungen ja bekanntlich am Wasser, der wesentlichen Bedingung für Leben, errichtet.

 

In einem kleinen Ort namens Sausset-les-Pins, nicht weit von Marseille, finde ich Unterschlupf, bevor es richtig "weiter geht". Aber wie es dazu kam!

Es ist bereits dunkel und noch immer bin ich nicht aus Marseille losgekommen. Ein etwas später Aufbruch und sehr unpraktisch gelegene Auswärts-Straßen hatten dazu beigetragen. Ich werde ideenlos, friere, habe schon einige Male Ort und Strategie gewechselt und bin fast dabei umzukehren. Keiner ist bereit mich an diesem Abend mitzunehmen, geschweige denn mitten im Verkehr irgendwo anzuhalten. An einer Ampel spreche ich Patricia an, die mir gegenüber sehr aufgeschlossen ist und mich ohne zu zögern einsteigen lässt. Sie erkundigt sich nach meinem Plan und entscheidet sofort, ihr Gästezimmer für mich bereitzustellen. Zuhause angekommen, essen wir zu Abend, gemeinsam mit Max, ihrem Mann. Sie sind so lieb und behandeln mich fast wie einen ihrer Söhne!

Patricia ist der Meinung, Max spreche besseres Englisch als sie. Wir verständigen uns gut. Beide sind sich einig, dass wir als Europäer etwas gemeinsam haben und sind dabei von der Internationalität, die wir heutzutage erleben dürfen, begeistert. Sie erzählen mir von der niederländischen Freundin ihres Sohnes, der hobbymäßig chinesische Rockbands managt. Und sie wollen, in einigen Jahren, wenn sie dann mehr Zeit haben, auch selber noch viel Reisen!

Mit Max unterhalte ich mich noch über seine Arbeit als Bauingenieur. Sehr spannende, riesige Projekte kommen ständig auf ihn zu und das sogar ohne Internetpräsenz. Er arbeitet seit einiger Zeit lieber selbständig und ist mit seinem Job sehr zufrieden.

 

Am nächsten Morgen verabschiede ich mich von Patricia, die wieder ihrer Arbeit als Assistenzärztin nachgeht und ein wenig später fährt mich Max einige Kilometer aus dem Dorf heraus, an eine gut gelegene Tankstelle. Er wünscht mir eine gute Reise und sieht mich noch in das nächste Auto steigen.

Ein paar Etappen weiter werde ich an einer Mautstation von einem Mann, der ursprünglich aus Algerien kommt mitgenommen. Er gibt an, mich bis Barcelona mitnehmen zu können. Das war mein Ziel für diesen Tag. Nicht lange dauert es, da fühle ich mich in seinem Auto äußerst unwohl. Lässig, rauchend, mit nur einer Hand am Steuer überschreitet er von Zeit zu Zeit die 200 auf dem Tacho. Ein richtiger Raser, einen wie ich ihn bislang nur aus der zurückbleibenden Perspektive erlebt hatte.

Der dröhnende Bass macht das Ganze nicht besser, aber ich stelle mir vor, wie diese Kombination sein Gefühl für das hohe Risiko mindert. Ein ganzes Stück fahren wir hinter einem Polizei-Wagen her, mit diesem Tempo kann ich leben. Kaum zweigt dieser allerdings ab, gilt es einmal mehr den Zeitplan meines Fahrers zu schaffen. Er ist bereits jetzt zu spät. Zwar verfliegt die Zeit nur sehr langsam, doch im Nu sind wir schon in Spanien und ich freue mich schon auf die wärmende Sonne, wenn ich endlich aussteigen darf. Ich lasse mich eine normale Autostunde von Barcelona absetzen. Hätte der Fahrer so feuchte Hände wie ich, oder wäre nur für einen Moment erschrocken oder abgelenkt, so wäre es für uns beide auf der kurvigen, spanischen Straße vorbei gewesen!

 

Nach einer ausgiebigen Mittagspause, in der ich mich von meiner nicht zu leugnenden Panik erholt hatte, nehme ich den Weg nach Barcelona wieder auf. Ich darf bei ein paar netten Leuten mitfahren, die noch genau einen Platz haben. In Barcelona angekommen, kauft mir der Mann, der im Auto neben mir saß, ein Ticket, welches für meinen gesamten Aufenthalt in der Stadt reichen sollte!

Die erste Nacht verbringe ich im Hostel. Es ist interessant, unter anderem lerne ich Leute aus Braunschweig kennen und einen Weltreisenden, aus Argentinien, dessen Reise in Barcelona ein Ende nimmt. Wirklich gut gefällt es mir im Hostel allerdings nicht, und für mich ist so etwas mit Sicherheit auch nur eine Notlösung. Also freue ich mich sehr, die nächsten beiden Nächte bei Alex aus Deutschland unterkommen zu können! Er studiert im Rahmen des Erasmus-Programms ein Trimester lang hier in Barcelona und wird noch bis Weihnachten bleiben.

 

Dass die Stadt die bisher größte auf meiner Reise ist, macht sich bei mir bemerkbar. Alles wirkt ein bisschen anonymer und es ist nicht möglich, nur zu Fuß unterwegs zu sein, und dabei sich noch umzusehen! Zum Glück kann ich mit meinem Ticket die Metro nutzen und fahre auch einmal gegen Abend mit dem Bus auf einen Berg. Dort versammeln sich Abends bei den Ruinen eines Bunkers viele Menschen um den Sonnenuntergang und das Panorama über Barcelona zu genießen. Der Bunker hatte im spanischen Bürgerkrieg seinen Zweck zu erfüllen. Zuvor war ich schon auf einem anderen Hügel gewesen, der mir ebenfalls eine geniale Aussicht bot.

An einem anderen Nachmittag spaziere ich durch den hellen Sand an Barcelonas Strand. Jede Ecke hält jemanden bereit, der einem etwas verkaufen möchte. Oft sind es Getränke, aber auch Massagen oder Accessoires. Ein interessantes Verhalten legen  definitiv auch die Straßenhändler an den Tag, die ihre Ware gekonnt auf einem riesigen Tuch drapieren und sobald die Polizei auftaucht, sie dieses hoch nehmen und sich als enormes Bündel, über die Schulter hängen. So stehen sie dann an Ort und Stelle, bereit loszulaufen und warten die brenzlige Situation ab.

Am letzten Abend nimmt mich Alex zu einer gemütlichen Geburtstagsfeier in eine Bar mit. Das Geburtstagskind und einige ihrer Freunde studieren ebenfalls für eine gewisse Zeit im Ausland. Sogar Gäste aus Deutschland sind anwesend, aber ebenfalls Leute von hier.


Als ich dann entscheide weiterzureisen, fahre ich mit der Metro bis ans Ende der Stadt und werde von dort aus in eine dörfliche Region mit Strand gefahren. Ich Zelte direkt am Wasser und habe seit längerem mal wieder eine schöne Nacht im Freien, alleine.

Es ist Samstag Morgen, nachdem ich zusammengepackt habe, laufe ich los. Ein Polizist grüßt mich und rät mir zur Vorsicht, ganz allgemein. Die Auffahrt, an der ich stehe ist nicht optimal, doch nach einiger Zeit nimmt mich eine Spanierin mit, die mir anbietet mich bis Valencia zu fahren. Dort möchte ich hin! Groß unterhalten können wir uns, aufgrund der Sprachbarriere, während der Fahrt nicht.

In Valencia angekommen, orientiere ich mich kurz und treffe direkt auf Benji aus Hollywood. Nach einem Smalltalk und Nummerntausch gehen wir erst einmal unseres Weges. Später komme ich auf ihn zurück, denn er ist wirklich ein entspannter Zeitgenosse und hatte mir auch direkt einen Schlafplatz angeboten! Er studiert hier für einige Zeit und lebt sehr zentral gelegen, mit ein paar netten Mitbewohnerinnen zusammen. Auf dem Weg zu seinem Apartment begegne ich noch Antje und Dennis, die über Umwege zu Fuß von Bielefeld nach Valencia gelangt sind und hier auf der Straße leben. Ihnen ist unterwegs viel Unglück widerfahren, doch so direkt wirken sie glücklich und scheinen in ihrem Leben alles zu haben, was sie benötigen. Ein Hund, der ihnen „mal kurz“ zum aufpassen gegeben wurde, ist ebenfalls dabei. Sie schenken mir noch eine Tüte Croissants, die sie nicht benötigen, und lassen mich wissen, wo ich sie finden kann, sollte ich während meiner Zeit hier Hilfe benötigen.


Anekdote im Nachtrag: Im ziemlich verzweigten U-Bahn Netz Barcelonas ist es scheinbar besonders gefährlich, während man sich unwissend versucht zu orientieren, Taschendieben zum Opfer zu fallen. Ich hörte von den gewieftesten Tricks, als ich mich mit Alex auf die Bahn wartend unterhielt, als plötzlich, energisch auf mich einredend, ein Mann Ende vierzig auf mich zugelaufen kam, Gesten in Richtung meines Gepäcks machte und mir beweisend ein Zertifikat vors Gesicht hielt, welches bestätigen sollte, dass er der Polizei angehörte. Ungläubig zögerte ich mein Handeln hinaus und suchte den Bahnsteig mit meinen Augen bereits nach einer Fluchtmöglichkeit ab. Sein Hemd hebend offenbarte mir der Mann eine Pistole, die locker im Hosenbund steckte. Ich fühlte mich unwohl, was für eine ungewöhliche Situation! Doch dann halfen die Frauen neben uns dabei, die Lage zu interpretieren. Besagter Mann war tatsächlich ein Polizist, der "undercover" gegen die vielen Verbrechen in der Stadt und eben auch in den Bereichen Metrostationen vorgeht. Er forderte mich dazu auf, meinen Rucksack auf Vollständigkeit zu überprüfen , während die mutmaßlichen Täter, die er im Schlepptau hatte, vehement abstritten in irgendeiner Weise beteiligt zu sein. Mir fehlte nichts, insofern ich dies in der Hektik feststellen konnte und die Situation entspannte sich wieder. So konnte es mit einer freundlichen Warnung im Gedächtnis weiter gehen.


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Logbuch I

Vom Harz bis nach Frankreich

Meine Reise beginnt. Ich laufe aus der Stadt heraus, schwer beladen, was sich direkt bemerkbar macht, komme ich schließlich am Rastplatz an. Von dort aus möchte ich aus Quedlinburg abfahren. Meine erste Mitfahrgelegenheit erlange ich durch einen LKW-Fahrer, der auch an diesem Dienstag, wie an jedem anderen Tag, 30t Sand aus der heimatlichen Sandgrube nach Kassel fährt. Ein Zufall, aber eine Freude beiderseits, die Fahrt nach Göttingen miteinander teilen zu können. Durch einen weiteren Lift gelange ich ins Stadtzentrum und treffe dort Marie und Joscha, die es schon seit einiger Zeit zu besuchen gilt. Ihre Wohnung ist durch und durch ein gemütliches Heim und bietet mir sogar mit eigenem Zimmer den perfekten ersten Schlafplatz!

 

Wieder auf der Straße starte ich den nächsten Tag mit einem Anschwung durch Joscha, der mich zu einer geeigneten Stelle fährt, die es deutlich einfacher für mich gestaltet Richtung Kassel weiter zu trampen, denn dies ist mein Ziel für diesen Mittwoch.

An sich geht alles sehr flott, doch direkt in die Stadt zu kommen stellt sich als sehr schwierig heraus und ich muss lange Zeit warten, bis mich ein netter junger Herr bis ins Stadtinnere fährt. Dort angekommen ist mein erstes Ziel eine Bibliothek, diese werden auf meiner Reise noch so manchen Anlaufpunkt ausmachen, denn sie bietet mir einen warmen Platz zum verweilen. Es ist erst kurz nach Mittag.

 

Mit frischer Energie begebe ich mich auf den Weg, meinen Cousin Tommy zu treffen, bei dem ich die nächsten drei Nächte verbringen werde. Sowohl seine WG als auch die von Paul, den ich ebenfalls während meiner Zeit in Kassel besuche, sind sehr gemütlich und lassen mich besonders aufgehoben fühlen. Diese Freundschaften, die mir in Deutschland noch einen sanften Start ermöglichen, weiß ich sehr zu schätzen, denn nachdem ich in der Nähe von Frankfurt eine recht kalte Nacht im Zelt hinter einer gut gelegenen Raststelle verbringe, führt mich ein interessanter Weg nach Karlsruhe. Dort erlebe ich noch einmal die Geborgenheit einer gemütlichen WG, der von Aike, bevor mich mein Weg am nächsten Tag durch einen glücklichen Umstand bis nach Frankreich führt.

 

Eine in der Schweiz lebende, russische Frau lässt sich an einer Raststätte kurz vor Baden Baden von mir erweichen mich bis Freiburg mitzunehmen, doch ihr Navi führt sie wie von Geisterhand durch Frankreich, was sie nach dessen Angaben schneller Richtung Basel bringen sollte.

Für mich bedeutet es direkt in Frankreich zu landen, ohne größere Umstände. Ihre Tochter im Kindergartenalter und ich verstehen uns gut. Sie ist wirklich süß und darauf aus, sich hinter dem Sitz vor mir zu verstecken.

 

Von einem gewöhnlichen Kreisverkehr, unmittelbar vor der nächsten Autobahn Richtung Mulhouse nimmt mich Nicolas in seinem Citroën auf und bietet mir kurzerhand an in seinem Haus zu übernachten. Wenig später kommen wir in seinem Dorf namens Lautenbach-Zell an. Ich bewundere sein selbst erbautes, bescheidenes Heim. Nicolas kommt mit dem Wesentlichen in diesem Leben aus, und hat meiner Meinung nach eine sehr vertraute Lebensphilosophie, die mich in ihrer Simplizität durchaus fasziniert und mit einer Leichtigkeit in ein spannendes Gespräch führt. Zusammengefasst verbringen wir zwanglos einen gemütlichen Abend, an dem ich so oft eine Frage zu seinem Haus oder dessen Einrichtung einwerfe. Die Pfeifensammlung und das Fliegenfischen gehören, neben dem Haus, in seiner kurz bemessenen Freizeit ebenfalls zu seinen Hobbies.

 

Wir reden auf Deutsch, da Nicolas durch seine Eltern im Elsass die deutsche Sprache gewohnt ist. Wir verständigen uns einwandfrei, es gibt nur vereinzelt Worte, die ich in ihrer Eigenheit nicht zu identifizieren weiß. Die Sprache kommt ihm auch auf seiner Arbeit in Basel zu Gute. Auf dem Weg dorthin, nimmt er mich mit zur nächstgelegenen Ausfahrt in meiner Richtung.

 

Kurz vor sechs stehe ich also bereits auf der Autobahn. Viel zu früh um einerseits in der Dunkelheit gesehen zu werden, aber andererseits um die rationale Entscheidung zu treffen, einen besser gelegenen Punkt anzusteuern. Nach längerer Zeit in der Kälte und ausreichender Blendung der undankbaren Autoscheinwerfer, stapfe ich dann doch los, durch ein suburbanes Wohngebiet, zu einer besser gelegenen Kreuzung.

Als auch dort das Glück nicht auf meiner Seite zu sein scheint, laufe ich noch ein weiteres Stück. Meine Rettung ist schließlich ein Rastafa, der an diesem Morgen bereits tiefenentspannt durch den Stadtverkehr manövriert. Er fährt mich zu einem gut gelegenen Kreisverkehr, welche hier in Frankreich zum trampen wirklich sehr praktisch zu sein scheinen. Auf der Autobahn gibt es längst weniger Rastplätze und Buchten, als in Deutschland.

 

Kurzerhand nimmt mich von dort aus ein Fahrzeugteile-Lieferant mit, der außerdem noch Rosen transportiert und der mich, mit dem Zwischenstopp einer Lieferung, ein gutes Stück weiter bringt. Auch er ist begeistert von meinem Vorhaben, ähnlich wie der Fahrer, der mich am Tag zuvor von Karlsruhe nach Baden Baden gefahren hatte. Hier und da erhalte ich einige Informationen über Portugal, welches ich nach wie vor als mein vorläufiges Ziel angebe. Klar nehme ich aber auch dazu Stellung, kein festes Ziel vor Augen zu haben, um der Spontanität und der Freiheit auf meiner Reise genügend Raum zu geben. Unverändert bin ich der Überzeugung, dass sich alles auf eine Weise entwickeln wird, mit der ich zufrieden sein kann.

Die Ehrlichkeit des Augenblicks trifft mich zwar dennoch ab und an wie ein Schlag ins Gesicht, doch das Gesamtbild meiner Erfahrung versetzt kraftvoll jedes Detail in Relation. So lässt sich ein kalter undankbarer Vormittag bei warmen Kaffee, einer vernünftigen Dusche oder einer soliden Aussicht über einer wunderschönen Stadt beispielsweise schnell vergessen.

 

Weiter geht es mit zwei Algeriern, die sich, für die Fahrt nach Besançon, von mir etwas Geld erhoffen. Als ich ihnen zu verstehen gebe, dass ich auf meiner Reise ohne viel Geld unterwegs bin, schaffen sie selbstverständlich Platz in ihrem Transporter und schon geht es los. Über eine Landstraße, sie vermeiden die direkte, mautpflichtige Autobahn.

An einer Tankstelle mache ich es mir in der Sonne bequem und genieße die warmen Strahlen. Dabei vertilge ich mein Mittag und halte mein Schild gegen die Sonne. „Dijon“ zeigt es in schwarz-blauen Lettern. Vorbeilaufende Menschen blicken mich interessiert an. Von Zeit zu Zeit ein Fünkchen Mitleid. Aber ich habe bei weitem keinen Grund dafür bemitleidet zu werden!

Großelterlich werden unabhängig voneinander zwei ältere Menschen auf mich aufmerksam und beschließen mir zu helfen. Sie geben der Tankstellen-Angestellten Anweisungen mein Schild neu aufzusetzen". Darauf zu sehen ist nun der selbe Schriftzug, mit dem Zusatz „A36“ der auf die Autobahn verweist. Viel verstehen kann ich nicht, doch ihre Fürsorge ist herzlich! Im Gehen zückt der Mann einen 10 Euro-Schein und reicht ihn mir, so sehr ich diesen ablehnen möchte, schon geht er weiter.

 

Meine Richtung ändert sich. Statt Dijon wird nun Lyon auf direktem Weg mein Ziel. Ein Mann, der mich zur nächsten „Péage“, der Mautstation fährt empfiehlt mir dies. Nicht lange habe ich zu warten, da sitze ich auch schon im Auto eines Mannes, der mich direkt ins Stadtzentrum Lyons bringt. Ein richtiger Glückstreffer. An diesem Tag schaffe ich eine relativ weite Strecke zurückzulegen und komme mit einem Lächeln auf dem Gesicht, im wunderschönen Lyon, an. Ich bin müde, der Tag war lang. Ich treffe einen Gentleman, der mich auf einen Tee in sein Luxus Apartment, direkt an der Rhône, einlädt. Die fünfte Etage bietet mir eine einmalige Sicht über einen Teil der Stadt und vor allem auf die gegenüberliegende Kathedrale, die mächtig auf einem am Rande gelegenen bewohnten Hügel prangt. Er bietet mir eine Übernachtung an, Couchsurfing ist großartig!

 

Am nächsten morgen begebe ich mich mit samt meines Gepäcks, an das ich mich nun gewöhnt habe, in die Stadt. Ab und zu zieht es mich in eine Boutique zum Verweilen oder gelegentlichen Aufwärmen. Kleine urige Läden gibt es hier zur Genüge, alle strahlen sie eine wohlige, gemütliche Atmosphäre aus. Keiner gleicht dem nächsten, und sie sind perfekt, katalogreif! Es macht mir großen Spass Lyon zu entdecken und unter uns, ein bisschen habe ich mich schon verliebt.

 

Gegen Mittag treffe ich Julia, aus Deutschland, die in Lyon ihren Europäischen Freiwilligendienst leistet. Sie hat sich in der Stadt schon gut eingelebt und kennt sich natürlich schon aus. Nachdem ich meinen großen Rucksack in ihrer kleinen, aber super zentral gelegenen Wohnung abgestellt habe, gehen wir gemeinsam ein Stück durchs Viertel und kommen schließlich in einer Bibliothek an, die uns einen warmen, gemütlichen Platz zum sitzen bietet, und Internet. Später laufen wir noch über einen Markt und kaufen lokale Köstlichkeiten. Julia ist dann bis Abends beim Sport und ich bin wieder unterwegs in der Stadt.

Mit leichten Schritten und spürbar wenig Gepäck, tragen mich meine Füße auf den Fourvière-Hügel, der mit einem unfassbar schönem Ausblick über der Stadt wacht. Dort oben thront die Basilika Notre-Dame de Fourvière, die Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist. Diese aus der Nähe zu sehen beeindruckt mich, ins Innere kann ich leider nicht, da gerade eine heilige Messe stattfindet. Die meisten Kirchen hier sind katholisch.

 

Bevor ich mich an diesem Abend zur Nachtruhe begebe, einen Schlafplatz stellt mir Julia sicher, die ebenfalls Couchsurferin ist, treffe ich mich mit einer Freundin von ihr zu einem Couchsurfing-Event. Ein Spieleabend, in einem eigens dafür vorgesehenem Café, - dass es so etwas gibt!? Der Abend verläuft super, wir haben viel zu lachen. Die internationale Gruppe ist großartig! Das Lokal lebt, wie mir gesagt wird, ausschließlich durch die Einnahmen der Getränke. Der Beitrag von 3€ für den Abend ist eher symbolisch, und die enorme Auswahl der unterschiedlichsten Brettspiele definitiv wert. Dies also am Rande als kleiner Tipp für die Freundinnen und Freunde des Spielens.

Auf dem Heimweg mit Jule, ebenfalls aus Deutschland, die auch bei Julia übernachtet, komme ich noch an einem Straßen-Festival vorbei, dass zu Ehren der neuen Wein-Charge einer bestimmten Sorte gehalten wird. Für 30€ ist einem der Eintritt mit inklusiver Verkostung gewährt. Auf den Straßen ist die Polizei und sogar Armee mit Maschinengewehren präsent. Sicherlich zum Schutz, besonders sicher fühle ich mich dabei allerdings nicht.

Die erste Woche meiner Reise verstreicht wie im Flug und dennoch erlebe ich sie wie eine Ewigkeit, mit nimmer endenden, neuen Erlebnissen. Die Spannung bleibt. Weiter geht es, Richtung Süden.

 

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