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Logbuch VII

Strand-Stimmung

Nun ist doch einige Zeit vergangen, in der ich nicht berichtet habe. In dieser Zeit habe ich mehr denn je in der Natur gelebt und konnte wieder frische Energie tanken. Ich habe neue Orte und Menschen kennen gelernt und wieder richtig Lust bekommen weiter zu ziehen!

 

Aber nun etwas ausführlicher.

 

Noch bin ich im Valley, in Granada. Einige Leute schließen sich der Community an, wiederum andere verlassen uns und ziehen weiter. Ich realisiere, dass für mich ein Alltag eingekehrt ist. Auf der einen Seite liegt es natürlich auf der Hand, dass ein routiniertes Handeln einiges erleichtert und im Allgemeinen Komplexität reduziert, doch auf der anderen Seite ist es auch nicht mehr so spannend wie es einst war. Nicht zuletzt war dies einer der Gründe weshalb ich Zuhause in Deutschland aufbrach.

 

Eines Nachmittags kommen Agy, Marie und ich ins Gespräch gemeinsam einen Strand-Ausflug anzutreten, war es doch in der letzten Zeit recht kalt bei uns! So stehen wir wenige Tage später an der Straße und versuchen unser Glück. Im Gepäck haben wir nicht allzu viel, denn wir gedenken nicht sehr lange zu bleiben. Nur ca. 80 Kilometer sind es zu jenem Ort, nach dem uns das warme Wetter lockt, fast unglaublich. Doch für diese Entfernung benötigen wir letztendlich ganze zwei Tage! Die Nacht zwischendurch müssen wir zum Glück nicht an der Straße im Zelt verbringen, denn im Supermarkt treffen wir den netten Alex, der uns mit zu seinem Haus nimmt. Mit ihm verbringen wir einen lustigen Abend und am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, bringt er uns zurück zur selben Auffahrt, an welcher wir am Tag zuvor versucht hatten zu trampen. Gegen Mittag erst geht es voran. Immerhin sind wir zu dritt und können uns abwechseln, dies könnte unserer Meinung nach sogar hilfreich sein, denn die Autofahrer werden zunächst nur einen von uns zu Gesicht bekommen. ;)

 

Als wir gegen Abend, mit gemischten Gefühlen, bereit sind die letzten Kilometer bis Maro, in der Nähe von Nerja, zu laufen, (was war es doch auch für eine mühselige Etappe), werden wir von einem englischen Paar aufgelesen. Wir machen es uns im Kofferraum bequem, die Rückbank ihres Trucks gehört nämlich ihren Hunden. Sie fahren uns direkt bis an den Strand, und damit meine ich, wirklich bis in den Sand, und lassen uns zuvor noch kurz im Dorfladen einkaufen. Im Dunkeln schlagen wir unsere Zelte auf und als wir glücklich und zufrieden endlich im Bett liegen beginnt es zu regnen. Glücklicherweise lässt uns die prellende Sonne am nächsten Morgen alles andere vergessen, und während die Mädels ihr erstes Bad in den Wellen nehmen, begebe ich mich auf die Suche nach einem neuen Platz. Wir hatten nämlich von einem gemütlicheren Strand gehört, der sich besser zum übernachten eignen würde. Und so ziehen wir, nachdem ich diesen ausfindig gemacht hatte, dorthin um. Es hat sich dort auch bereits eine nette Gruppe eingerichtet, mit denen wir uns bald gut verstehen. Witzig ist, dass die meisten dieser Menschen, die sich bereits durch eine Kommune (Beneficio) aus Spanien kannten, aus Deutschland stammen. Ansonsten ist unter ihnen noch ein Amerikaner, der allerdings auch fließend Deutsch spricht und ein Engländer. Für ihn und meine beiden Weggefährten wird also nun die meiste Zeit Englisch gesprochen.

 

Während wir in unseren Zelten schlafen haben sich die anderen aus Schilf-Bambus Unterschlüpfe gebaut. Es ist wirklich schön endlich wieder im „Freien“ zu schlafen. Bald gewöhne ich mich auch an das konstante, laute Rauschen der Wellen. Musik am Lagerfeuer, gemeinsames Kochen und tagsüber Baden, herum Stromern, Lesen, Bauen oder Handarbeiten passt uns genau richtig, besser könnten wir uns unserem kleinen Urlaub nicht vorstellen!

 

Im Zusammenhang mit dem nahenden Vollmond wird das Meer immer stürmischer und steigt drastisch an. Zunehmend wird der Strand schmaler und bald finden wir uns ein, um gemeinsam eine Schutzmauer gegen die Wellen du bauen. Fleißig versuchen wir viel Sand und möglichst große Steine aufzuschichten, um in der Nacht ruhig schlafen zu können. Als am folgenden Tag die Wellen allerdings tatsächlich bis an die Mauer schlagen, ist für uns klar, dass es an der Zeit ist, unsere Sachen in Sicherheit zu bringen. Die Mauer und der dadurch entstandene Graben geben noch eine Weile Schutz, sodass noch am Strand gesessen werden kann. Letztendlich wird uns dadurch noch einmal bewusst, wie mächtig das Wasser ist. Langsam verliert sich auch die gute Stimmung und es fängt an zu regnen. Für die nächste Nacht muss also eine Alternative gefunden werden! So kommt es, dass ich mit einem Landbesitzer spreche, der oberhalb der langen Treppe, die zum Strand führt, in seinem selbstgebauten bzw. zusammengeschusterten Häuschen lebt. Radek kommt ursprünglich aus Polen und gewährt Agy, Marie und mir unsere Zelte dorthin umzuziehen, (die andere würden weiter oben im Schilf übernachten, wo es ebenfalls sicher ist). Er ist ein wenig mürrisch und ich habe im Gefühl, dass dies nicht nur Ursache des starken Windes ist, der seine Pflanzen beschädigt. Sogleich bieten wir ihm, auch für die folgenden Tage, unsere Hilfe an, welche er dankend annimmt. So wird sein Dach repariert, ein neues Klo gebaut, Schilf geschnitten und Baumpflege betrieben. Bei letzterer Tätigkeit fliegt mir ungünstiger Weise, durch einen Windzug, Sägespäne ins Auge. Dies beschert mir den ganzen Tag über einen penetrant, stechenden Schmerz und bereitet mir tatsächlich auch etwas Sorge, doch zum Glück ist dieser weitestgehend am nächsten Morgen vorüber. Natürlich hatte ich Augentropfen dabei und mit meiner Medizin-Tasche konnte ich auch sonst immer mal helfen.

 

Am Abend des Vollmonds gibt es spontan einen Impuls eine schöne Party zu feiern. Ein Italiener, der immer Mal schon mit seiner wunderbaren Hang-Drum am Strand aufgetaucht war, wollte dazu aus der Gegend noch einige Leute einladen, und hatte auch schon einen geeigneten Ort im Kopf. An einem verlassenen Haus, unweit unseres Strandes, brennt als wir eintreffen bereits ein riesiges Feuer. Bei Wein und Liedern lassen wir es uns gut gehen, wahrlich ein eindrucksvoller Abend.

 

 

Als wir nach einigen Tagen beschließen unseren Schlafplatz wieder am Strand einzurichten, spült uns tatsächlich am nächsten Tag das Wasser ein weiteres Mal fast weg (mein Zelt wird sogar nass). Diesmal genügt es allerdings zu einem etwas höher gelegenem Stück des Strandes umzusiedeln. Die hohen Wellen rühren dieses Mal von einem Sturm auf offener See her.

 

Eine richtige Überraschung ist es, als wir eines Tages eine uns aus Granada bekannte Niederländerin treffen, die mit ihrem einjährigen Sohn einen Monat zuvor abgereist war! Da sie ebenfalls nun für einige Zeit am Strand sein möchte, können wir ihr ein wenig unter die Arme greifen, indem wir immer Mal auf ihr Baby aufpassen. Natürlich ist es dabei für mich naheliegend stets an mein kleines Schwesterlein zu denken, deren Geburtstag auch vor kurzem gefeiert wurde!

 

Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich sind aus „ein paar Tagen Strand“ fast drei Wochen geworden. Zwar hatten wir schon zuvor einmal daran gedacht zurück zu fahren, doch eigentlich gab es keinen zwingenden Grund. Die nächste Überraschung kommt so gerade recht: Ella eine liebe Freundin und Höhlen-Nachbarin war mit einem Freund und dessen Van übers Wochenende aus Granada losgefahren und zufällig am selben Strand gelandet! Ihr eigentliches Ziel lag einige Kilometer zurück. Da ist die Freude groß, und wir vereinbaren direkt, gemeinsam zurück zu fahren!

 

Während der Zeit im angenehmen Küsten-Klima, wird jedem von uns auf seine Weise klar: Die Zeit in Granada war wunderschön, aber nun kann dennoch etwas Neues kommen. Sobald wir also zurück im Valley sind, werden wir unser Hab und Gut endgültig packen, die Höhlen vernünftig hinterlassen und uns bei unseren Freunden verabschieden.

 

 

Während es Agy dann kaum einen Tag vom Wasser entfernt aushält, lasse ich mir ca. eine Woche Zeit alles zusammen zu räumen. Marie bricht dann auch recht bald auf, zusammen mit Zaque, der sie nun begleitet und dem wir noch ein wenig Granada zeigten. Alle drei fordern mich bei ihrer Abfahrt auf, auch so bald wie möglich zu unserem Strand zurück zu kehren. Ich bin wirklich froh, solch gute Freunde zu haben! Mit meinen Freunden in Granada wiederum, verbringe ich noch so viel Zeit wie möglich, um mich dann von ihnen verabschieden zu können. Außerdem liege ich noch einige Zeit im Bett, aufgrund einer Magendarm-Geschichte. Als dann allerdings endlich alles geklärt ist, bin ich in höchster Aufbruchstimmung und kann es kaum erwarten mich auf den Weg zu begeben.

 

Ich sause durch die Nacht, diesmal mit einer klassischen Mitfahrgelegenheit, und im Handumdrehen bin ich auch schon im bekannten Nerja und setze meinen Weg nach Maro zu Fuß fort. Keiner weiß, dass ich an jenem Abend zurück kehre, so viel Spass muss sein. Weit ist es nicht und wenige Minuten später stehe ich am Lagerfeuer und blicke in bekannte Gesichter! Für Zaque habe ich eine Gitarre im Gepäck, die ich zwei Abende zuvor in Granada einfach am Straßenrand fand! Unglaublich, diese ist wirklich noch sehr gut in Schuss und muss lediglich um ein paar Saiten ergänzt werden, bzw. für ihn linksherum aufgezogen werden. Da er bisher unterwegs auf anderen Gitarren nur eingeschränkt spielen konnte und er sich bereits auch auf Flohmärkten umgesehen hatte, freut er sich ganz besonders!

 

Für die Nacht, und als Rückzugsort, präsentiert sich mir ein perfekter Fleck etwas höher über den Klippen des Meeres. Ich erfahre, dass einen Tag nach unserer Abfahrt eine Woche zuvor, die Polizei einen Besuch abgestattet hatte. Sie waren in Booten gekommen und hatten den Strand geräumt und dabei auch einiges Material beschlagnahmt. Ein paar Töpfe gehen verloren, ein Zelt und einer verliert sein Fahrrad. Dies passiert im Groben wohl immer mal wieder, daher ist es gut nicht zu lange direkt am Strand zu übernachten. Unglaublich was ich vielleicht für ein Glück hatte und auch jetzt bin ich hier sicher. Darüber hinaus ist es nun für mich nun ein gemütlicher Zwischenstopp mit Bekannten, bis ich wirklich weiter reise.

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Ansgar (Samstag, 10 März 2018 21:10)

    Ich werde mich auch in Zukunft bemühen immer mal wieder zu berichten, doch wird es im Moment nicht so regelmäßig klappen, wie ich es anfangs noch handhaben konnte. Es ist doch immer ein größerer Aufwand als gedacht, einen geeigneten Ort zum Schreiben zu finden und auch drumherum das Sortieren der vielen Bilder nimmt besonders viel Zeit in Anspruch, die ich besonders bei schönem Wetter, lieber draußen verbringe als vorm Bildschirm. Ich bin mir sicher, dass sich also eine angemessene Routine ergeben wird.

  • #2

    Fortsetzung (Samstag, 10 März 2018 21:15)

    Das ist sicher nachvollziehbar!?
    Und lasst uns auch so in Kontakt bleiben gegenseitig. Ich freue mich immer von euch zu hören.

  • #3

    Corvin (Montag, 12 März 2018 10:06)

    Danke für diesen spannenden Bericht und die tollen Fotos!
    Das hört sich nach einem aufregenden Abenteuer an. Viel Spaß weiterhin!
    Gerne kannst du auch kürzere Einträge posten oder nur ein paar Fotos. Ansonsten ist es aber auch ok, nur alle paar Wochen einen Eindruck von der Reise zu bekommen.

    Viele Grüße aus Wernigerode,

    Corvin

  • #4

    Ansgar (Sonntag, 18 März 2018)

    Hallo Corvin, das freut mich sehr, danke!
    So etwas in größeren Abständen wird sicher möglich sein.
    Gruß Ansgar

  • #5

    Frida (Samstag, 24 März 2018 23:46)

    Deine Reiseberichte sind wie Geschichten aus anderen Welten, die sich jeder Greifbarkeit entbehren und inspirieren doch für die Möglichmachung eben dieser.
    Die offene Art wie du Menschen begegnest, fasziniert.
    Ich wünsche dir noch unzählig viele Momente der Einzigartigkeit auf deiner Reise und dass der Zauber des (Reise)anfangs einen Kreis mit seinen späten und letzten schließt!

  • #6

    Frida (Samstag, 24 März 2018 23:48)

    entbehren ... im Alltag des immer noch etwas nasskalten Deutschland ;-)