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Leben und Alltag in Australien

In meinem zweiten Eintrag für diesen Blog, welchen ich an einem meiner selten freien Tage

schreibe, während der Ventilator in meinem Zimmer das derartig aride Klima von 30° C halbwegs erträglich macht, möchte ich etwas ausführlicher auf meine derzeitige Situation

eingehen. Während der erste Eintrag als Einleitung und Momentaufnahme zu verstehen ist, soll

dieser nun einen kleinen Einblick in mein Leben in Sydney geben. 

  

Ich bin nach mittlerweile 6 Wochen, wobei ich mir bei der Länge meines Aufenthaltes nicht so

sicher bin, man verliert hier sehr schnell das Zeitgefühl, sehr gut angekommen und habe mich

ohne Probleme eingelebt. 

 

Ich nächtige immer noch im gleichen Hostel, die Tage kommen und gehen, sowie auch neue

Bekanntschaften und Menschen. Vor einigen Tagen musste ich mich von einem guten Freund

verabschieden, ein Engländer mit typisch englischem Humor und interessanter Persönlichkeit. Er

lebt das Leben eines digitalen Nomaden, sein Computer ist sein mobiler Arbeitsplatz, was ihm

eine seltene, einzigartige Freiheit verschafft. Mit James habe ich ungefähr 3-4

Wochen zusammen in einem 10-Personen Zimmer gelebt. Der Abschied war dennoch ertragbar,

wir sehen uns in Asien wieder. 


Und ja, es ist so verrückt wie es klingt, das Leben zu zehnt in einem Raum. Mir sind in diesem

Zimmer einige der verrücktesten Erlebnisse meines Lebens passiert. Von mastubierenden

Zimmergenossen(nein, das war keine schöne Erfahrung) hin zu einer weißen Familie mit einem

schwarzen Kind, welches von ihnen regelmäßig regelrecht angekettet wurde an Gegenständen in

ihrer Nähe wie zum Beispiel dem Ofen in der Küche bis zu einem Inder, welcher nur eine Nacht in

unserem Zimmer verbrachte und sich doch für immer in unsere Gedächtnisse eingebrannt hat.

Aus irgendeinem Grund trug er in aller Öffentlichkeit einen rosa- gelben String, eine von denen mit

so wenig bedeckendem Material wie möglich. Die meiste Zeit trug er nichts weiter als die etwas

spezielle Unterwäsche. Es bedeutete auch kein Problem für ihn, sich zwecks dessen nackt vor

uns zu entblößen um ebendiesen String anzuziehen. Er lief sogar nur mit String durch das ganze

Hostel zur Rezeption auf der anderen Seite des Flurs. Und als er nach einer Nacht das Hostel

verließ, nahm er alles mit, bis auf den besagten String. Den fanden wir am gleichen Tag vorbildlich

aufgehangen am Kleiderständer. Als Abschiedsgeschenk vermutlich. 


Ich habe nach kurzer, aber stressvoller Jobsuche einen wirklich tollen Job gefunden. Ich bin bei

einer Cateringfirma als Delivery driver und Event staff angestellt. Die Arbeitsatmosphäre ist super,

was essenziell Ist für den kollektiven Erfolg und für meine Motivation! 

 

Auch ist die Arbeit sehr abwechslungsreich, da ich mit Firmenautos Essen in ganz Sydney

ausliefere, was zwar oftmals stressig, aber auch sehr spaßig ist. Vor allem die Tatsache, dass

meine Firma hauptsächlich große IT-Unternehmen mit qualitativ hochwertigem Catering beliefert

macht den Job zu einem regelrechten Glücksfall für mich. Viele Backpacker arbeiten auf dem Bau

oder in ähnlichen physisch fördernden Berufen, weshalb das durchaus keine

Selbstverständlichkeit darstellt. Andererseits bin ich als Event staff auf abwechslungsreichen und

oftmals sehr exklusiven Events tätig, beispielsweise Hochzeiten, Firmenfeiern von Unternehmen

wie Snapchat und co. Die Bezahlung ist mit 23-28 Dollar/h je nach Wochentagen- oder

Wochenenden nicht schlecht, wenn auch nicht über dem Durchschnitt. Wer hätte gedacht, dass

ich mal gerne im Stau stehen würde, aber für 23 $/h tut man einiges... 

 


Die Arbeit als Bike Messenger ist hier auch sehr beliebt, ich habe auch schon ein Fahrrad gekauft,

von einem Franzosen der es nicht rechtzeitig verkauft bekam bevor er nach Bali flog, sodass ich

das Fahrrad billig abstauben konnte. Dies eröffnet mir neue Möglichkeiten als Bike Messenger zu

arbeiten, weil ich Fahrrad fahren ohnehin aus Berlin vermisse und die flexiblen Arbeitszeiten sehr

wichtig sind durch die unregelmäßige Natur des Cateringbusiness. 

 

Mein grober Plan ist, bis Ende Januar in Sydney zu arbeiten um Geld zu sparen für drei Monate

Reisen, wie und mit wem weiß ich noch nicht. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und ich

möchte mir vorerst alle offen halten. 

 

Die freie Zeit in Sydney kann man mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten gestalten. Hier

gibt es wunderschöne Strände, kostenlose Barbecue-Spots in öffentlichen Parks und jede Menge

gutes Essen aus aller Welt. Vor allem Taiwanische Freunde aus Sydney haben mir gezeigt, wie

originell und unterschiedlich die asiatische Küche sein kann. Ich habe das Gefühl, diese macht oftmals genau das Gegenteil der europäischen Küche in vielen Aspekten der Zubereitung und Verwendung und Nutzung von Zutaten. Und es schmeckt (meistens) gut! 

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